Kleiner Impact am 26./27.7. möglich; neue aktive Regionen; DSCOVR tot?
2025-07-24 – Filament-Eruption mit erdgerichtetem CME
16:00 MESZ – Am frühen 23.7. ereignete sich eine komplexe Filament-Eruption im zentralen Bereich der sichtbaren Sonne. Es entstanden mehrere CMEs in rascher Folge, die in den Koronographen als eine Einheit zu erkennen sind. Sie sind nicht sehr schnell, optisch dünn und in SOHO LASCO C2 nur im Differenz-Bild zu erkennen.

- Erwartete Ankunft: später 26.7., wahrscheinlich eher früher 27.7.;
- G1 MINOR STORM möglich;
- HUXt Wahrscheinlichkeit für Treffer 90%
2025-07-24 – Synoptik
17:00 MESZ – Das koronale Loch CH66– im Westen ist noch geoeffektiv und könnte heute Nacht so gar nochmals für etwas Polarlicht sorgen.

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Östlich von CH66– schließt sich ein großer Bereich ohne aktive Regionen an, weiter im solaren Osten werden die Sonnenflecken wieder zahlreicher. Die größte Region 4149 ist einfach bipolar und zeigt kaum Aktivität. Neue Regionen ganz im Osten dagegen scheinen sich im Wachstum zu befinden und könnten bei weiterer Entwicklung für koronale Massenauswürfe und solare Flares sorgen.
Hinter dem östlichen Rand befinden sich auf der Südhalbkugel weitere aktive Regionen, die bald sichtbar werden.
Wir sehen wie sich die nördliche und südliche Polkappe jenseits von 55° Nord bzw. Süd formiert haben als Pole des nächsten Sonnenzyklus SC26 mit jeweils einem polaren koronalen Loch. Der Norden ist dabei stabiler. Die Begegnung des neuen und alten Sonnenzyklus könnte nun für erhöhte Aktivität sorgen.
2025-07-24 – Bye Bye DSCOVR?
17:30 MESZ – Der DSCOVR-Satellit von SWPC/NOAA und NASA sendet seit dem 16.7. keine Daten mehr. Schuld soll ein Bit-Flip in der Bus-Architektur sein. Ein versuchter Prozessor-Neustart hat bisher nicht den gehofften Erfolg gebracht. Es ist nicht auszuschließen, dass ein dauerhafter Hardware-Schaden dem Leben des Satelliten ein etwas vorzeitiges Ende bereitet hat.

Damit ist ACE von NASA und ESA der einzige Satellit, der im Moment mehr oder weniger zuverlässig den Sonnenwind in Echtzeit am Lagrange-Punkt L1 misst. Ob ACE länger als bis zum Jahresende durchhält ist ungewiss.
Der Nachfolgesatellit von DSCOVR SWFO (Space Weather Follow On) von NOAA/SWPC wird erst im Herbst ins All geschossen. Bis er operativ nutzbar ist vergehen weitere Monate, das wird wohl nicht vor 2026 sein. Auch IMAP von NASA als mögliche Alternative wird nicht vor Herbst 2025 gelauncht.
Bei einem Ausfall von ACE bleibt nur noch WIND, der jedoch nur sporadisch Echtzeitdaten zur Erde schickt sowie SOHO mit Messinstrumenten für Plasma-Geschwindigkeit und Dichte. Auch das Lebensende dieser beiden Satelliten ist erreicht. Es kann also passieren, dass wir eine zeitlang ohne Echtzeitdaten für den Sonnenwind auskommen müssen – das wäre eine Katastrophe.
2025-07-26 – Synoptische Karte

Die aktiven Sonnenfleckenregionen im Südosten und Süden dümpeln so vor sich hin ohne klare Tendenz für Wachstum oder Auflösung. Um Region 4155 ist zuletzt die Flare-Tätigkeit angestiegen, liegt aber immer noch im unteren C-Klasse-Bereich. Im Solar Orbiter ist auf der Rückseite ein großer Cluster im Süden zu sehen, dessen erste Ausläufer wir wohl in den nächsten 24 Stunden zu sehen bekommen.
Eventuell bekommen wir demnächst noch etwas vom schnellen Sonnenwind aus CH67– ab, wieviel ist schwer zu sagen, es ist recht weit nördlich – somit geht der Stream eher nach Norden und wir werden nur gestreift.
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2025-07-26 – CME Impact?
18:00 MESZ – Es hat den Anschein, als sei ein CME (Sonnensturm) am Nachmittag eingetroffen. Ob es der angekündigte ist, ist unklar. Die Geschwindigkeit stieg kurz nochmals auf 600 km/s, liegt im Moment bei 500 km/s, das interplanetare Magnetfeld erreichte kurzzeitig über 10 nT, liegt jetzt bei 7 nT mit fallender Tendenz. Bz war kurz südlich bei -9 nT, ist jetzt aber positiv mit unklarer Tendenz.
Sollte das der CME sein, ist hier wohl nicht mehr viel zu erwarten. Die Komplexität der Eruption lässt aber durchaus noch einen weiteren etwas stärkeren Impact möglich erscheinen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das schon alles gewesen sein soll. Zudem gehen die Prognosen für die Ankunftszeit dies Mal extrem weit auseinander. Warten wir ab.
Magnetic Cloud eingetroffen
21:00 MESZ – Gegen 18:40 MESZ ist eine interplanetare Shockfront durchgezogen. Das Magnetfeld ist seit dem strukturiert, allerdings mit nördlicher Bz-Komponente – schlecht für Aurora in Mitteleuropa.

Es sieht nach einem Nord-Ost-Süd-Flux-Rope (N-E-S) aus. Das bedeutet, dass wahrscheinlich in einigen Stunden Bz negativ wird, also nach Süden wechselt. Ob das noch rechtzeitig vor Mitternacht geschieht, um noch etwas Polarlicht vor der Morgendämmerung zu erhaschen ist fraglich.
04:00 MESZ – Es ist wohl eher ein E-N-W-Flux-Rope ohne negativen Bz-Anteil
Weiter im nächsten Beitrag: 2025-08-01 – Kleiner Streifschuss, wachsende Regionen und schneller Sonnenwind