Update 2026-06-05, 1600 UTC

Aktive Region im Zentrum der sichtbaren Sonnenscheibe wächst und produziert solare Flares und koronale Massenauswürfe. Mehrere davon bisher erdgerichtet, mögliche Treffer ab dem späten 4. Juni, bis G3 STRONG möglich (unsicher) – damit auch Mittelbreiten-Polarlicht. Allerdings werden helle Nächte auf der Nordhalbkugel und die Nähe zur Sonnenwende die Polarlicht-Jagd erschweren.

CME = Coronal Mass Ejection = Koronaler Massenauswurf = Sonneneruption = Sonnensturm

Übersicht (Synoptik)

2026-06-03, 1800 UTC – 10 aktive Regionen befanden sich am 2. Juni auf der sichtbaren Sonnenscheibe. Die meisten einfach und klein. Region 4455 zeigt rapides Wachstum und zunehmende Komplexität – dabei erzeugt sie Eruptionen, die teilweise zur Erde gerichtet sind.

Das koronale Loch CH62+ liegt am Sonnenäquator – dessen Stream-Interaction-Region und nachfolgend schneller Sonnenwind wird heute am 3. Juni erwartet (erhöhte Geschwindigkeit bis 500/600 km/s und erhöhte geomagnetische Aktivität möglich).

Solare Flares

Wir sehen eine deutliche Zunahme in Anzahl und Stärke solarer Flares. Sie stammen alle von Region 4455, der letzte große ein X-Flare (X1.0) – sollte die Entwicklung anhalten, können wir mit weiteren X-Flares rechnen.

Stärkere solare Flares am 2. Juni und 3. Juni 2026: M1.2, M1.3, M3.3, M9.5, M7.9, X1.0 (gemessen von GOES 18 und 19)

Region 4455

Entwicklung von Region 4455 in 24 Stunden – SDO AIA 171, 193, 211 + SDO HMI Magnetogramm + Kontinuum
Entwicklung von Region 4455 und Region 4458 in 24 Stunden – SDO AIA 171, 193, 211 + SDO HMI Magnetogramm + Kontinuum

Region 4455 existiert schon seit einer Weile (Auftauchen am Ostrand), ihr hinterer Teil enthält keine Sonnenflecken mehr – eine Plage-Region, der vordere Teil jedoch zeigt das Auftauchen neuer Sonnenflecken entgegengesetzter Polarität rund um den Haupt-Fleck. Da sie sozusagen auf der falschen Seite auftauchen nennen wir die Konfiguration „Anti-Hale“, sie müsste so eigentlich auf der Südhalbkugel aussehen – das ist nicht untypisch für die abnehmende Phase des Sonnenfleckenzyklus.

Region 4455 vor einer Woche: keine Sonnenflecken westlich des Hauptflecks, ein paar Flecken im hinteren Teil – eine mehr oder minder bipolare Region
Eruption vom Nachmittag des 2. Juni 2026 zeigt Dimming (Material ist entwichen) und eine EUV-Welle (Material wurde bewegt) nach Südosten↙︎ – zeitgleich eine starke Eruption hinter dem östlichen Rand mit großem CME – das macht die Analyse schwer – ob hier ein erdgerichteter CME dabei war oder nicht, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen, besonders stark scheint er aber nicht gewesen zu sein.

Erdabgewandte Seite der Sonne (Solar Orbiter)

Schon seit ein paar Wochen sehen wir eine erhöhte Aktivität auf der Sonnenrückseite mit stärkeren Flares und größeren CMEs – auf der erdzugewandten Seite blieb es bisher still. Das ist jetzt anders.

Ein Ausschnitt aus der Sonnenaktivität der Rückseite – Solar Orbiter 171, 304 Angström zeigt Eruptionen am laufenden Band

Region 4436 war verantwortlich für mehrere größere CMEs und wahrscheinlich auch für einen Strahlungssturm (S1 MINOR), der uns kürzlich erreichte. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Region immer noch aktiv ist, ist relativ hoch.

Ereignisse

2026-06-03, 0122 UTC – M9.3-Flare und Halo-CME

Eine auf den ersten Blick eher unscheinbare Eruption, jedoch mit schnellem CME

SOHO LASCO C2 Koronograf zeigt einen Halo nach Norden, auf der Sonne zeigte sich etwas Dimming mit relativ wenig Hinweisen auf eine große Eruption
Die Eruption erfolgte in Richtung des angrenzenden koronalen Lochs, dies hat vermutlich einen Einfluss auf die Sichtbarkeit in den Koronografen

Radio-Emissionen

Es wurden in Zusammenhang mit dem Ereignis ein Typ-IV Radiosturm und ein Mikrowellen-Radioburst detektiert („Tenflare“) – beides Hinweise auf ein eruptives Ereignis mit CME.

https://ovsa.njit.edu/eovsadata/?date=2026-06-03

STEREO A COR2

GOES CCOR-1

Ein Full-Halo ist im GOES CCOR-Koronagrafen zu sehen und eine schlecht sichtbare Front nach Nordwesten.

Heliospheric Imager

In der Seitenansicht vom STEREO A Satelliten ergibt sich kein genaues Bild der Situation. Wir sehen eine bestehende Struktur, vermutlich älteres Auswurfmaterial, möglicherweise mit erdgerichteten Anteilen, das eingeholt wird von einer Struktur im Norden – vermutlich unser CME.

https://stereo-ssc.nascom.nasa.gov/browse/2026/06/03/index.shtml

NASA M2M Run

CME-Analyse (korrigiert)

Länge: 19°, Breite: 14°; Geschwindigkeit: 1220 km/s, Ausbreitung: 64°; Zeit bei 0.1 AU: 2026-06-03T04:15Z

NASA M2M Enlil für „Leading Edge“, Plasmadichte
2026-06-05, 0600 UTC

CME mit 1220 km/s, relativ erdgerichtet könnte uns am frühen 5. Juni flankieren. Berechnete mögliche maximale Kp-Werte zwischen 5 und 7, also G1 MINOR bis G3 STRONG geomagnetischer Sturm möglich.

https://kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/CME/46585/1
https://kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/WSA-ENLIL/46610/1

2026-06-03, 0649 UTC – M7.7-Flare und partieller Halo-CME

Massiver Auswurf nach Norden/Nordwesten mit partiellem Halo und Schockwelle

SDO AIA Komposit aus 171, 193 und 211 Base Difference kombiniert mit AIA 304 zeigt die nördliche Ablenkung des CMEs
SDO AIA 171, 193, 211 Komposit zeigt das dichte Material, das dramatisch entweicht

STEREO A COR2

GOES CCOR-1

NASA M2M Run

CME-Analyse (Leading Edge)

Länge: 19°; Breite: 52° (!); Geschwindigkeit: 1470 km/s; Zeit bei 0.1 AU: 2026-06-03T09:27Z

CME-Analyse (Shock)

Länge: 9°; Breite: 20°; Geschwindigkeit: 1130 km/s; Zeit bei 0.1 AU: 2026-06-03T10:05

Vom CME selber werden wir wohl nicht viel sehen, aber dessen Shockfront könnte uns am 5. Juni erreichen und einen bestehenden Sturm verstärken.

https://kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/CME/46596/1

2026-06-03, 1119 UTC – X1.0-Flare und partieller Halo-CME

CME nach Norden mit erdgerichteten Anteilen

SDO AIA 171, 193, 211 zeigt Dimming und einen sich teilenden Plasmastrom mit koronaler Welle in alle Richtungen, hauptsächlich nach Norden
SDO AIA 304 und GOES SUVI 304 Running Difference zeigt eine Plasma-Plume, die sich Richtung Erde/ nach Osten krümmt – davon könnten wir etwas abbekommen

STEREO A COR2

Zweilappiger CME

GOES CCOR-1

Der Shock breitet sich hauptsächlich nach Nordwesten aus, zu sehen ist auch eine Front nach Osten – dies ist der Anteil, der uns flankieren könnte.

NASA M2M Run

CME Analyse (Leading Edge)

Länge: 19°, Breite: 32°; Geschwindigkeit 1430 km/s; Ausbreitung: 77°; Zeit 0.1 AU: 2026-06-03T13:49Z

CME Analyse (Shock)

Länge: 20°; Breite: 30°; Geschwindigkeit 1400 km/s; Ausbreitung: 86°; Zeit 0.1 AU: 2026-06-03T13:57Z

NASA berechnet einen Impact am frühen 5. Juni (gegen 0800 UTC) mit maximal möglichen Kp-Werten von 4-6 (ACTIVE – G2 MODERATE) geomagnetische Aktivität.

Multi-CME-Läufe

SWPC/NOAA

G3 STRONG STORM Watch wird von SWPC/NOAA ausgegeben für den 4.Juni und 5. Juni 2026

Beim US-amerikanischen Weltraumwetterdienst SWPC kommen die CMEs bereits am späten 4. Juni gebündelt an (UTC) und ein recht starker Impact wird erwartet.

https://www.swpc.noaa.gov/products/wsa-enlil-solar-wind-prediction/

MOSWOC (Met Office)

G3 STRONG STORM Watch wird von Met Office UK ausgegeben für 2026-06-04, 13:00 UTC – 2026-06-06, 09:00 UTC

Der letzte Enlil-Lauf von Met Office enthält noch nicht alle CMEs. Bei einem Update wird er hier veröffentlicht.

https://swe.ssa.esa.int/metoffice-enlil-e-federated

NASA

Der Multi-CME-Lauf von NASA berechnet eine kombinierte Ankunft gegen 2026-06-05, 0000 UTC; Kp 6-8 (G2 MODERATE bis G4 SEVERE); Plasma-Geschwindigkeit nahe der Erde bis 700 km/s

https://kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/WSA-ENLIL/46624/1

HUXt

Das HUXt-Modell basierend auf NASA M2M-Analysen berechnet einen kombinierten Impact Mitternacht 4.6./5.6. mit Sonnenwind-Geschwindigkeiten nahe der Erde über 1000 km/s. Drei CMEs mit erhöhter Eintreff-Wahrscheinlichkeit (45%, 80%, 47%).

https://swxforecastlab.org/forecasts.html

ELEVo

Einen guten Eindruck der Gesamtsituation mit NASA M2M CME-Analysen gibt es bie ELEVo vom österreichischen Weltraumwetterbüro ASWO in Graz.

https://helioforecast.space/cme

Updates

Laufende Updates zu den bisherigen und eventuell neueren CMEs gibt es an dieser Stelle.

2026-06-04, 2000 UTC – Keine eindeutigen Anzeichen für baldigen Impact

https://www.swpc.noaa.gov/products/solar-wind?layout=ions#start=2026-06-02T12:21:56&end=2026-06-05T20:06:54

Das neue Sonnenwind-Modul des amerikanischen Weltraumwetterdienstes SWPC zeigt den für CMEs mit Shockfront typischen Anstieg suprathermischer Protonen, die von derselben beschleunigt werden. Ein plötzlicher steiler Anstieg zeigt einen baldigen Impact an, davon ist bisher nichts zu sehen. Dei Ankunft kann sich also noch eine Weile hinziehen.

HI2 zeigt unscharf CME-Strukturen, die sich der Erde nähern. Eine genaue Ankunft lässt sich aus den wenigen Bildern und der schlechten Bildqualität kaum ableiten.

HI1 zeigt am 3. Juni die Front des CMEs, der mit dem X1.0-Flare assoziiert ist. Sie sieht beeindruckend aus und lässt vermuten, dass der dritte CME möglicherweise den stärksten Impact erzeugt.

2026-06-05, 1800 UTC – Holprige CME-Fahrt mit unklarem Ausgang

Gegen 0430 UTC (6:30 MESZ) ist ein interplanetarer Shock am L1-Punkt eingetroffen, bereits zuvor ist eine CME-Signatur im Sonnenwind auszumachen, jedoch mit schwachem Magnetfeld und langsam. Das interplanetare Magnetfeld begann mit stark nördlicher Ausrichtung und damit geringer Geoeffektivität, erreichte vorübergehend deutlich südliche Werte (Bz–), was zu ein paar roten Aurora-Australis-Strahlen geführt hat, sichtbar in Neuseeland und Tasmanien. Danach wurde das Magnetfeld turbulent – vermutlich in Zusammenhang mit dem Eintreffen des Sonnenwinds aus dem koronalen Loch CH62+.

Seit etwa 1500 UTC (17:00 MESZ) sieht es wieder mehr nach CME aus. Es könnte sein, dass dies nun der dritte und damit letzte ist – das ist jedoch keinesfalls sicher. Sollte Bz weiter im negativen Bereich bleiben, so würde die Polarlicht-Wahrscheinlichkeit deutlich ansteigen. Allerdings ist das Zeitfenster für mögliche Sichtungen in Mitteleuropa nur kurz. Die astronomische Dämmerung beginnt um 23:29 MESZ in Berlin, Nacht gibt es keine. Der 78% helle Mond geht um 01:03 MESZ am 6.6. in Berlin auf.

3 Kommentare zu „Die Sonne brodelt – Starke Flares und eine Kolonne erdgerichteter CMEs (Sonnenstürme) unterwegs“
  1. Moin, danke für den sehr ausführlichen Bericht. Ich wollte kurz anmerken, dass im letzten Teil ein kleiner Fehler bei den Dämmerungsphasen ist. Nautische Dämmerung gibt es, aber die Nacht fällt weg. LG

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