UPDATE 10.9. 22:30 MESZ

Ein Filament im zentralen Bereich der Sonnenscheibe (N08W09 nahe AR 4206) eruptierte am 4.9. um 20:30 UTC (mit einem C-Klasse-Flare). Es wurde ein erdgerichteter koronaler Massenauswurf (CME, Sonnensturm) produziert. Da Bilddaten für die Triangulation fehlen, lässt sich Größe und Geschwindigkeit nur vermuten und eine Prognose für Ankunftszeit und Stärke des Impacts ist mit großen Unsicherheiten behaftet.

SDO/GOES Observierung

SDO AIA 171/195/211 RGB Komposit + GOES-19 X-ray flux long
Der große koronale Loch-Komplex im zentralen Bereich der sichtbaren Sonne enthielt ein Filament in seinem nördlichen Bereich
SDO AIA 171/195/211 Base Difference + GOES-19 X-ray flux long
Dimming, Brightening, post-eruptive Arkaden und ein C-Klasse-Flare
SDO AIA 304 Base Difference zeigt das Plasma, das die Corona verlässt
GOES SUVI 304 Running Difference lässt erkennen, wie das Plasma in den schnellen Sonnenwind gerät und von ihm beeinflusst wird
SDO AIA/HMI Komposit zeigt das Filament eingekesselt von drei aktiven Regionen und einem koronalen Loch – in dessen High-Speed-Stream gerät das Plasma, wird davon beschleunigt aber auch auseinandergetrieben.

Koronografen

In SOHO/LASCO C2/C3 ist der CME nicht (gut) zu sehen.

STEREO A Heliospheric Imager

Die Seitenansicht auf den CME vom STEREO A Heliospheric Imager beseitigt alle Zweifel, ob da nun ein CME Richtung Erde unterwegs ist oder nicht. Wir sehen deutlich eine Struktur, die sich schnell bewegt.

Rechter Rand: etwa 0.1 AU, linker Rand: etwa 0.4 AU – ein Drittel des Weges zur Erde hat der CME schon hinter sich.

stereo-ssc.nascom.nasa.gov/beacon/beacon_secchi.shtml

Der CME scheint ähnlich schnell zu sein wie der vom 30.8./31.8.

www.ukssdc.ac.uk/solar/stereo/movies/MOVIES/rt

NASA M2M SWAO Analyse

kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/CME/41047/1

Vorläufige Schätzung: Geschwindigkeit 781 km/s, Halbbreite 45° (Breite 90°), Ursprung 9°E 3°N

Aktuelle Schätzung (immer noch ohne STEREO A Triangulation – aber mit Heliospheric Imager Daten): Geschwindigkeit 1020 km/s, Halbbreite 41° (Breite 82°), Ursprung 19°E, 2°N

helioforecast.space/cme

Eventuell kommt der CME schon am späten 6.9. an, vielleicht auch erst später – der High-Speed-Stream (schneller Sonnenwind) in den der CME geraten ist, macht eine Prognose schwieriger.

Der CME hat eine schnelle Shockfront (1370 km/s) – NASA’s Enlil simuliert ein Eintreffen ebendieser am Mittag des 6.9. – dies tritt in der Regel so nicht ein – kann aber ein Hinweis auf ein früheres Eintreffen von Teilen des CMEs sein.

NASA Enlil-Lauf für Dichte

NASA Enlil-Lauf für Geschwindigkeit

Timeline

Kp 9 als maximal möglicher Wert ist sicher zu hoch, bei richtiger magnetischer Konfiguration wäre Kp 7 (G3 STRONG STORM) aber wohl durchaus drin. Haben wir wieder nur vor allem einen nördlichen Vektor des interplanetaren Magnetfeldes (Bz+) ist natürlich weniger zu erwarten.

Ein Impact am späten 6.9. scheint nun möglich. Für Polarlicht-Fans sei auf den fast vollen Mond verwiesen, der das Erhaschen von lichtschwachen Objekten am Himmel (wie Polarlicht) schwierig macht. Mondauf- und Untergänge im vorherigen Beitrag Koronales Loch bringt schnellen Sonnenwind.

Dieser CME ist deutlich kleiner als der vor einigen Tagen, zudem werden wir nicht ganz direkt getroffen sondern eher flankiert – die Störung wird also nicht so lange andauern (Über 48 Stunden beim letzten CME).

Für mich am spannendsten wie der angekündigte schnelle Sonnenwind (High-Speed-Stream) und der CME interagieren werden.

Weitere Modellläufe

HUXt (MOSWOC Analyse)

HUXT kommt mit langsamerer MOSWOC-Analyse (900 km/s) auf eine Eintreffwahrscheinlichkeit von 99.8 %, Eintreffgeschwindigkeit 633 km/s -60/+50, Ankunftszeit 2025-09-07 04:31 -5/+9h – HUXt ist oft deutlich zu spät, aber nicht immer.

research.reading.ac.uk/met-spate/huxt-forecast/

MOSWOC

MetOffice UK sieht den CME bei 900 km/s Geschwindigkeit bei 21.5Rs (0.1 AU), Ursprung 8°N, 2°W, Breite 76° (Halbbreite 38°) und berechnet eine Ankunftszeit von 19:00 UTC (21:00 MESZ) am 6.9. (Enlil) mit einer Geschwindigkeit von 750 km/s.

ICME Updates

Der aktuelle ICME kann in puncto Geschwindigkeit (wenn auch vielleicht nicht ganz in puncto Größe) mit dem vorherigen mithalten. Eine Ankunft Ende 09-06 scheint sehr wahrscheinlich.

www.ukssdc.ac.uk/solar/stereo/movies/MOVIES/rt

CME Impact

2025-09-06 14:04 UTC 16:04 MESZ

Ein erster Vorgeschmack: – Btotal 10 nT -> 22 nT, V 500 km/s -> 700 km/s

Aurora 6.9./7.9.

PCINDEX bei 5: gutes Substorm Potential

pcindex.org (Zertifikat abgelaufen, durchklicken bis zur Seite)

Der grüne Bogen in Russland zu sehen kämpft gegen den Vollmond

starvisor.net

22:00 MESZ – Mal wieder enttäuschend

raumwetter.de/echtzeitsonnenwind/

Wir sehen im Sonnenwind einen Mix aus High-Speed-Stream und CME mit einer Schockwelle, die gegen 1400 UTC den Sonnenwind zusammengeschoben hat und für ein starkes Magnetfeld sorgte mit einem pendelnden Bz-Wert. Nun ist das Magnetfeld strukturierter bei Btotal bei etwas über 15 nT (auch nicht der Hammer) und die Bz-Komponente zeigt nach Norden. Niedrige Dichte und absinkende Temperatur deuten darauf hin, dass wir uns schon in der Nähe des Kerns des CMEs befinden – wobei die Temperatur dafür noch zu hoch ist. Wahrscheinlich macht die Mischung mit dem High-Speed-Stream auch ein klare Abgrenzung gar nicht möglich. Die Ablenkung des CMEs nach Osten hat sich offenbar noch weiter fortgesetzt und wir sehen nur dessen Rand („Glancing-Blow“). Es zeigt sich wieder einmal, dass High-Speed-Stream und CME keine fruchtbare Kombination ist.

Warten wir ab, vielleicht ändern sich die Verhältnisse noch. Extrapoliert man den Bz-Verlauf ist das jedoch unwahrscheinlich für die nächsten Stunden.

Mit anhaltend positivem Bz-Wert sinken die Chancen für Mittelbreiten-Aurora. Ein Blick auf die russischen Starvisor-Kameras zeigt auch, dass selbst aufleuchtende Substurm-Aurora mit roten Strahlen bis in den Zenit kaum zu erkennen ist bei so einem hellen Mond.

23:00 MESZ – ENW-Flux-Rope?

Es besteht die Möglichkeit, dass wir es mit einem ENW-Magnetfeld zu tun haben

Es ist noch zu früh für eine Beurteilung, aber im Moment sieht es so aus, als hätten wir es mit einem E-N-W-Flux-Rope Magnetfeld zu tun (By+/Bz0 = Ost ➛ By0/Bz+ = Nord ➛ By-/Bz0 = West). Das würde bedeuten, dass wir in absehbarer Zeit kein negatives Bz mehr sehen.

Auswertung

Im Sonnenwind sehen wir das Eintreffen eines interplanetaren Shocks gegen 1400z am 6.9. Gegen 16:30 beginnt die Dichte zu sinken, gegen 1800z die Temperatur und die Geschwindigkeit. Dies kann als die Grenze der Magnetic Cloud angesehen werden. Das Ende ist weniger scharf getrennt und beginnt ab etwa 1500z am 7.9., ab etwa 2100z sind keine Anzeichen einer Magnetic Cloud mehr auszumachen.

Die Bz-Komponente war insgesamt schwach ausgeprägt im Vergleich zum Gesamtmagnetfeld. Dies und die extreme Ausprägung von Bx lassen auf einen Glancing Blow schließen, was ziemlich erstaunlich ist, da der CME ganz zentral auf der Sonnenscheibe seinen Ursprung hat und uns ohne Ablenkung direkt getroffen hätte.

Die sanfte Rotation von Bz von positiv zu negativ begleitet von einem durchweg positiven By-Wert lässt auf ein Nord-Ost-Süd-Flux-Rope schließen, wobei die Süd-Komponente so schwach war, dass sie kaum Auswirkungen auf das Erdmagnetfeld hatte.

Der größte geomagnetische Effekt war zu Beginn nach Eintreffen des Shocks, die schwache und lange positive Bz-Komponente führte schließlich zu einem Erliegen der geomagnetischen Aktivität (Hp30 lag länger bei 0).


Weiter im nächsten Beitrag Ruhige Sonne + High-Speed-Streams (11.9.25)

⚜️

7 Gedanken zu „Filament-Eruption & erdgerichteter CME (5.9.)“
  1. Lieber Marko.
    Danke für die Energie und Dein Engagement für diese-Deine- Seite. Für mich als Zaungast, bzw. interessiertem Polarlicht-Spotter enorm hilfreich und wertvoll !!

    Für Sonntag heißt es dann vielleicht: Erst MoFi, dann Polarlicht !

    Herzliche Grüße aus S.-H.

    Henning

  2. Hallo Marko,
    ich schließe mich Henning an und danke dir für deine großartige Herausarbeitung der relevanten Informationen zu diesem und auch anderer Events.
    Im deutschsprachigen Raum das Beste dieser Hinsicht!
    Einen lieben Gruß
    Lutz

    1. Danke Lutz. Ich hoffe, Du konntest dieses Jahr schon etwas vor die Linse bekommen in Deinen südlicheren Gefilden. Falls nicht: Es sieht ja ganz so aus, als befänden wir uns am Anfang der ‚Rossby-Surge‘ mit erhöhter Sonnenaktivität. Vielleicht wird es ein heißer/bunter Herbst.

      Liebe Grüße zurück

  3. Hallo Marko,
    auch von mir, aus dem leider oft bewölkten Sauerland, ein großes Dankeschön für deine tolle Arbeit und dein großes Engagement!!!
    Ich schaue fast täglich vorbei und finde deine Informationen und die Ausführungen klasse und super ausgearbeitet, ich konnte aufgrund deiner Arbeit schon das eine oder andere Polarlichtevent einfangen. Herzlichen Dank dafür!!!!!!!!
    Einen lieben Gruß
    Petra

    1. Ich kann mich den anderen nur anschließen. Vielen Dank für deine Arbeit. Ich mag mich irren, aber gefühlt ist deine Seite die beste Quelle, wenn es um Polarlichtvorhersagen geht.
      🙇

  4. Danke für die Komplimente. 😊

    Fühlt Euch frei, über die Kommentarfunktion auch Fragen zu stellen. Ich schreibe ja ins Blaue hinein und weiß oft nicht, ob die Infos zu kompliziert oder zu einfach sind. 🤓

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