Update 2026-06-09, 2200 UTC

Eruption eines Filaments im Südosten↙︎mit graduellem, lang andauerndem solaren Flare (Stärke M1.8), Radioemissionen, CME mit partiellem Halo und komplexen Kern am 6. Juni gegen 13:45 UTC. Dessen Shock wird uns recht sicher erreichen, der Kern des CMEs könnte uns streifen oder flankieren – der ‚Bulk‘ bewegt sich nach Südosten. Modelle sagen Eintreffen im Laufe des 8. Juni voraus, geomagnetischer Sturm mit Stärke G2 MODERATE bis G3 STRONG möglich, eventuell auch G4 SEVERE – unter günstigen Umständen auch Mittelbreiten-Aurora.

CME = Coronal Mass Ejection = Koronaler Massenauswurf = Sonneneruption = Sonnensturm

Übersicht (Synoptik)

2026-06-07, 0500 UTC – Acht Sonnenflecken-Gruppen befinden sich auf der sichtbaren Sonnenscheibe, davon hat 4458 kleinere CMEs produziert. 4456 und 4462 sind im Wachstum (Flux-Emergence) mit erhöhter Wahrscheinlichkeit, Flares und CMEs zu produzieren. Region 4455, die vor kurzem drei CMEs mehr oder weniger Richtung Erde geschickt hat, baut ab. Region 4463 war zuvor 4436 und hatte große CMEs und starke Flares produziert. Sie besteht nur noch aus einem Sonnenfleck. Vielleicht lebt sie nochmals auf, vielleicht ist es auch ihr Ende. Neu ist 4464 – eine Anemonen-Aktive-Region inmitten eines koronalen Lochs.

Ein größeres Filament schlängelte sich durch Region 4461, schon mehrmals versuchte es zu eruptieren – am 6.6. am 1345 UTC dann mit Erfolg. Eine energetische Eruption mit CME, Type II Radioburst und freigesetzten energetischen Partikeln war zu beobachten.

Das koronale Loch CH62+ am Westrand bringt uns noch schnellen Sonnenwind. Dieser wird wohl graduell abnehmen. Verbindung mit CH64+ wird wohl schwach ausfallen. Der schnelle Sonnenwind aus CH63– erreicht uns voraussichtlich nach dem Eintreffen des CMEs (unsicher).

Der Vergleich mit der Karte der letzten Rotation zeigt eine deutliche Zunahme an aktiven Regionen und gleichzeitig eine dramatische Abnahme der Größe koronaler Löcher – ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir uns in einem zyklischen Aktivitätsschub befinden (‚Rossby-Surge‘), der mit einer Periode von 6-12 Monaten auftritt. Die Aktivität wird wieder langsam abnehmen bis nur noch sehr wenig bis keine Sonnenflecken mehr vorhanden sind und dann geht es wieder nach oben. Zum Sonnenflecken-Minimum hin werden die Schübe immer schwächer.

2026-06-06, 13:45 UTC – Eruption

Ein Filament ist ein Schlauch relativ kalten und sehr dichten Plasmas, der durch umliegende Magnetfelder erzeugt und zusammengehalten wird. Ändern sich diese, wird das Filament instabil, manchmal hebt es ab und eruptiert, oft zerstreut es sich auch einfach nur in der Korona.

Flare

Wir sehen, wie die ganze Korona um den Flare herum wackelt – ein explosives Ereignis

Beeindruckend energetische Eruption mit sigmoidem Flare, sich öffnenden Feldlinien, Dimming, einem Filament-Geschoss und später post-eruptiven Arkaden und klassischen Doppel-Flare-Ribbons
(SDO AIA 171, 193, 211)
Dimming im ganzen Südosten und eine kräftige koronale Welle zeigen Plasma-Bewegungen
(SDO AIA 171, 193, 211 Base Difference, GOES SUVI 304)

CME

Partieller Halo (= Shock) nach Südosten, Plasma-Wirrwarr als CME-Kern. Der Shock hat eine Geschwindigkeit von etwa 1400-1700 km/s, der Kern („Leading Edge“) von 1000-1500 km/s – ein schneller CME.

In SOHO LASCO C2 zu sehen ist vor allem die Ausbreitung der Shockwelle

Teile des CMEs überqueren die Ekliptik-Ebene sowie den Zentralmeridian der Sonne – somit ist davon auszugehen, dass der Kern erdgerichtete Anteile besitzt.

Radio-Emissionen

Type III, Type II und Mikrowellen-Radioemissionen wurden gemessen. Typisch für einen CME mit Shockwelle.

Energetische Partikel

Typisch für graduelle, lang andauernde Flares ist die Freisetzung energetischer Partikel. Gemessen wurden bis 50 MeV, es fehlen also die gefährlichen hochenergetischen Protonen, auch wurde bisher die Warnschwelle für S1-Strahlungssturm nicht überschritten.

Die schlechte magnetische Kopplung mit der Region im Südosten verhindert einen schnellen, steilen Anstieg – mit Annäherung und Eintreffen der Shockfront kann allerdings ein weiterer Anstieg erfolgen.

Die Anwesenheit energetischer Protonen erhöht die Leitfähigkeit der Ionosphäre und kann so den möglichen geomagnetischen Sturm verstärken.

Modellvorhersagen

SWPC (USA) und BoM (Australien) einigen sich auf einen G3-Watch für den 8.6. und G2-Watch für den 9.6.; MOSWOC (UK) gibt einen G3-Watch für den 8.6. aus (0200 UTC – 2350 UTC) – G2-Watch gibt es bei MOSWOC nicht, deshalb keine Warnung für den 9.6.

Die meisten Modelle berechnen eine Ankunft im Laufe des 8. Juni mit unterschiedlicher Stärke und Plasma-Geschwindigkeit (600-1000 km/s). Wahrscheinlich werden wir einen starken Shock sehen, auf den die turbulente Sheath-Phase folgt. Ob uns dann der Kern des CMEs erreicht oder ob wir nur in dessen -umhüllung bleiben, muss sich zeigen. Der Kern scheint nicht wohlstrukturiert zu sein, ob er überhaupt eine wohldefinierte Flux-Rope-Struktur enthält ist nicht sicher.

Sollte der CME tatsächlich früh gegen 0600 UTC eintreffen, wäre das Timing eher ungünstig für Europa und Polarlicht. Sollte der CME spät eintreffen und ein Magnetfeld mit genügend Südausrichtung haben, ist Mittelbreiten-Polarlicht in Europa möglich. Die Wahrscheinlichkeit für ein stärkeres Ereignis ist höher als für die vorangegangen CMEs – meiner Meinung nach.

Updates

… erfolgen and dieser Stelle.

2026-06-08, 1400 UTC – Der CME ist unterwegs

Der CME befindet sich noch in einiger Entfernung von der Erde (0,2-0,3 AU). Eine Ankunft spät am 8.6. oder sogar erst früh am 9.6. scheint plausibel. Ob es dann ein eher schwacher Streifschuss oder immer noch ein kräftiger Flankentreffer sein wird, lässt sich nicht sagen. Es gibt Modellläufe, die einen starken aber späten Impact berechneten (HUXt, alternativer Enlil-Lauf von SWPC, einige Members des MOSWOC-Ensembles).

Solle der Impact schwach ausfallen, so ist dennoch die Wahrscheinlichkeit für Polarlicht erhöht: Der Ringstrom ist noch aktiv von den vorherigen CME-Streifschüssen und dem High-Speed-Stream aus dem koronalen Loch CH62+ (evtl. auch CH64+): Der DST-Index liegt noch immer bei etwa -50 nT – die Magnetosphäre ist aufgeladen und aktiv.

2026-06-09, 0200 UTC – Bisher keine Spur vom CME

Das letzte Bild vom Heliospheric Imager ist über 10 Stunden alt. Hier gibt es keine neuen Informationen. Es ist kein Anstieg der suprathermischen Protonen am L1 (EPAM) zu beobachten, also kein Anzeichen für eine sich nähernde Shockfront. Die gemessene Neutronendichte in Oulu ist bisher nicht signifikant zurückgegangen. Der CME befindet sich demnach nicht in unmittelbarer Nähe zur Erde. Es besteht noch immer die Möglichkeit einer späten Ankunft, jedoch rückt langsam auch die Möglichkeit in den Blick, dass uns der CME verpasst hat. In diesem Fall wäre eine genaue Untersuchung für den Grund sinnvoll, da das einige Fragen aufwerfen würde.

2026-06-09, 22:00 UTC – Ankunft, Analyse, Mutmaßungen

Gegen 09:55 UTC am 2026-06-09 hat uns ein Teil des CMEs erreicht, deutlich später als von den meisten Modellen vorhergesagt. Vom schnellen Shock haben wir nichts gesehen und was uns erreicht hat, war nicht mehr sehr schnell mit nur leicht erhöhten Magnetfeld-Werten – technisch gesehen hat uns der CME nicht verpasst, gefühlt dennoch schon.

Eine genauere Analyse von SOHO LASCO C3, STEREO A COR 2 Science, GOES CCOR-1 Running Difference, STEREO Heliospheric Imager 1 Science Running Difference und Stars Removed zeigt, dass der schnelle Shock sich nicht Richtung Erde ausgebreitet hat, sondern nach Südosten. Die Form hat nicht zugelassen, dass dessen Expansion uns erreicht (wahrscheinlich). Möglicherweise hat den Shock auch etwas behindert oder er hat sich aufgelöst.

Da operationelle Modellrechnungen nicht die Neigung von CMEs berücksichtigen, gehen sie von einem sphärischen Objekt aus – oft erzeugt die Neigung jedoch eine komplizierte Ausbreitung und Ergebnisse für eine kugelförmige Ausbreitung sind dann manchmal weit von der Wirklichkeit entfernt. ziemlich sicher hat sich der CME weiter schnell ausgebreitet, jedoch nicht in unsere Richtung.

Was genau passiert ist, lässt sich ad hoc nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht hat sich dieser komplizierte Auswurf auch selbst zerlegt. Dazu müsste die Eruption nochmals genau untersucht werden, mit Daten in Science-Qualität und eventuell mit rechenaufwendigeren Modellen nacherzeugt werden. Das ist ein Thema für eine wissenschaftliche Arbeit. Leider beschäftigen sich nicht viele mit solchen Re-Analysen, insbesondere nicht, wenn uns die CMEs entgegen der Vorhersagen verpasst haben, obwohl gerade dies die größten Erkenntnisse bringen würde.

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