Update 5.1. 00:00 MEZ

Der CME vom 31.12. hat uns wahrscheinlich verfehlt. Schneller Sonnenwind aus koronalem Loch CH10-, abnehmend. Weiterer CME erwartet am 4.1. Sonst ruhig.

28.12. 10:00 MEZ – Einfluss des großen koronalen Lochs CH09+ schwindet, Sonnenwindgeschwindigkeit leicht erhöht mit 450 km/s, weitere Abnahme, ab etwa 31.12. Verbindung mit negativ polarisiertem koronalen Loch CH10–, Geschwindigkeit bis 600 km/s erwartet.

Wahrscheinlichkeit für M-Klasse-Flares und koronale Massenauswürfe („Sonnenstürme“, CMEs) deutlich erhöht, für X-Klasse-Flares leicht erhöht. Erdgerichtete CMEs möglich, Stealth-CMEs sind nicht ausgeschlossen.

Synoptik

28.12. 10:00 MEZ

Koronale Löcher

CH = Coronal Hole = koronales Loch (große unipolare Regionen ohne EUV-Emissionen in der Korona)

Verbindung mit CH09+ nimmt ab. Verbindung mit CH10– steht bevor, dazwischen langsamer Sonnenwind und Sector Boundary Crossing. CH10– war vormals bekannt als Schmetterlings-Koronales-Loch bzw. Schilddrüsen-CH ist deutlich geschrumpft und hat seinen gesamten südlichen Teil verloren. Die dafür verantwortlichen aktiven Regionen sind mittlerweile verschwunden.

Es befinden sich einige aktive Regionen mit erhöhtem Flare und CME-Potential auf der sichtbaren Sonnenscheibe. Das Potential bleibt erhöht.

Potentielles Magnetfeld einer ruhigen Sonne (PFSS-Modell) mit koronalen Löchern und aktiven Region (SDO AIA Komposit) und C9.9-Flare aus Region 4317 im Zentrum

Aktive Regionen (Sonnenflecken-Gruppen)

Region 4321 jetzt im Südwesten hat eine Nord-Süd-Ausrichtung und einen Delta-Spot (beta-delta). Sie ist weiter im Wachstum zeigt jedoch insgesamt nur mäßige Komplexität und damit wenig Aktivität. Das Potential für markante Entwicklungen ist hoch.

Stürmische Entwicklung von Region 4321 vom 24.12. – 28.12.

Region 4317 nimmt mit vielen kleinen Sonnenflecken – nun vor allem kleineren Poren – einen großen Raum ein. Sie hat jedoch deutlich an Komplexität eingebüßt und sehr viele Sonnenflecken verloren. Jüngst produzierte sie einen C9.9-Flare ohne CME. Sie besitzt immer noch Potential für Flares und CMEs, welches aber weiter abnimmt.

Region 4317 vom 24.12. bis 28.12. – Anzeichen von Auflösung

Region 4324 – Neu im Nordosten aufgetaucht die relativ komplexe Region 4324, die nun wohl schon ihren vierten Umlauf zeigt. Sie war vormals nummeriert mit 4246, 4274, 4299 und war für zahlreiche M-Klasse-Flares und erdgerichtete CMEs verantwortlich. Mal sehen, ob sie es noch in dieser rekordverdächtigen vierten Runde drauf hat.

Region 4324 im Nordosten mit einigen Zuckungen und uneindeutiger bzw. geringer Entwicklung

Die Region im Archiv von SpaceWeatherLive


Cluster im Südosten mit Regionen 4323 und 4325 (vormals 4296/4294/4298). Die Regionen aus der letzten Rotation haben sich größtenteils in Plages umgewandelt ohne große Sonnenflecken, jedoch scheint Region 4325 neu zu sein und im Wachstum. Sie erzeugte einen M5.1-Flare am 27.12. mit Radio-Burst und CME, ist seitdem aber ruhig.

Cluster mit Regionen 14325 und 14323

Das Potential für neue Entwicklungen und damit größeren Flares und vielleicht auch gelegentliche CMEs ist hoch.


Der Ostrand (links der Sonnenscheibe) nach oben gedreht mit dem großen Cluster im Südosten (hier links) und der kleineren Freak-Region 4324 im Nordosten (hier rechts) – SDO AIA 171, 193, 304

M5.1 Flare mit CME nach Osten aus Region 4325 (27.12.)

28.12. 10:00 MEZ – Die neue Region 4325 produzierte gleich am Anfang ihrer Entwicklung einen stärkeren Flare mit CME – der jedoch nicht sehr schnell oder materiereich war.

SDO AIA 131 (blau) 171 (grün) 211 (rot) 304 (rot, blau) Kompositbild mit e-Callisto Radiogramm sowie GOES X-ray flux zeigt den Flare mit sich öffnenden Feldlinien und post-eruptiven Arkaden (Südosten nach oben gedreht)

M4.2 Flare mit CME, erdgerichtete Anteile, aus Region 4317 (28.12.)

29.12. 02:00 MEZ – Es wurden außerdem breitbandige Radioemissionen erfasst, besonders im Mikrowellenbereich (‚Tenflare‘) am 2025-12-28 um 2239 UTC.

SDO AIA 171, 193, 211 Angström

SDO AIA Bildgebung zeigt sich langsam nach Westen (➜) öffnende Feldlinien, ein Core-Filament, das verschwindet – eventuell gerät es östlich in den High-Speed-Stream des angrenzenden koronalen Lochs CH10–. Dimming östlich und westlich des Flares deutet auf eruptiertes Material/ Magnetfeld hin, womöglich mit erdgerichteten Anteilen. Der Hauptteil des CMEs geht wahrscheinlich nach Westen, es ist aber möglich, dass in Kombination mit dem High-Speed-Stream Anteile zur Erde – vielleicht auch unbemerkt – transportiert werden.

Dimming in SDO AIA 171, 193, 211 Base Difference mit SOHO LASCO C2 Koronagraf zeigt den CME eingequetscht in zwei High-Speed-Stream (Süden und Osten/links)

CME mit geschätzter Geschwindigkeit von 520 km/s – wir werden wahrscheinlich flankiert. Ankunft mit High-Speed-Stream. Kp 4-6 – STEREO A COR2 hat einen Daten-Aussetzer – Die Analyse ist also mit Vorsicht zu genießen. Die Vermischung mit dem High-Speed-Stream macht die Enlil-Prognose unzuverlässig.

Nach NASA M2M Simulation erreicht uns der CME am 31.12./1.1. zusammen mit dem High-Speed-Stream
https://kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/CME/43631/1

Weitere M-Klasse Flares aus Region 4325 (impulsiv, wahrscheinlich ohne CME) davor und 4324 (keine weiteren Infos bisher) danach.

Nachtrag 2.1. 00:15 MEZ: CME-Signatur im Sonnenwind ab 31.12. 1400z: IMF steigt von 6 auf 11 nT, X/Y/Z-Komponenten trennen sich (Flux-Rope-Struktur erkennbar N-E-S), Geschwindigkeit von 500 km/s auf kurz 600 km/s, Dichte steigt zunächst und fällt dann stark ab zusammen mit der Temperatur. Gegen 0000z am 1.1. ist es schon vorbei. Magnetfeld war überwiegend nördlich; Hp30 zu Beginn kurz bei 4, dann zwischen 0 und 1 – die geomagnetischen Auswirkungen dieses schwachen CMEs waren also äußerst gering.

Vermischung mit High-Speed-Stream aus CH10- (500 km/s) und Sector-Boundary-Crossing. Es handelt sich wahrscheinlich um den oben beschriebenen CME.

Synoptische Karte 30.12.

  • 4 Regionen mit erhöhtem Flare-Potential
  • Viele kleine neue Sonnenflecken-Gruppen im Südosten
  • Instabile Filamente am Ostrand
  • Koronales Loch CH10- bringt bald schnellen Sonnenwind (ab 31.12./1.1.)

M7.1 Flare mit CME, erdgerichtete Anteile, aus Region 4324 (31.12.)

  • Long-Duration Flare mit Peak um 2025-12-31T13:51Z
  • Type II Radio-Burst mit geschätzt 893 km/s
  • Type IV Radio-Burst deutet auf CME mit Schockwelle hin
  • 10cm-Radio-Burst (Störungen von Funk-Diensten im Mikrowellenbereich)
  • Koronale Welle, Dimming deuten auf Ablenkung nach Nordosten hin
  • Sigmoide Flare-Struktur, post-eruptive Arkaden – weitere Hinweise auf eruptives Event
Flux-Emergence im mittleren Bereich: Der blaue negative Bereich in der Mitte wird flankiert von positiven Fronten, die dagegen drücken und schließlich zum Flare durch Rekonnexion führen

Der Flare in 171 Å (Running Difference), 211 Å (Base Difference) und 304 Å zeigt eine koronale Welle und Dimming. Die gebogenen Linien im Vordergrund gehören zum PFSS-Modell (potentielles Magnetfeld) und zeigen schon im Vorfeld, wohin die Reise etwa geht.

SDO 171 Å (Running Difference), 211 Å (Base Difference) und 304 Å

Der Hauptteil des CMEs geht nach Nordosten, es sollten aber ausreichend erdgerichtete Anteile dabei sein um bei uns erhöhte geomagnetische Aktivität auszulösen (MINOR STROM bis STRONG STORM).

SDO AIA 171/193/211 Base Difference Komposit + SOHO LASCO C2 Running Difference + e-Callisto Radiogramm + GOES SUVI X-Ray-Flux

NASA M2M CME Analyse & Vorhersage in DONKI – Activity ID 2025-12-31T14:00:00-CME-001

  • Geschwindigkeit 886 km/s
  • Halb-Breite 41° (Breite 82°)
  • Ursprung: 24°E 19°N
  • Ankunft 2026-01-02 2200z (Flankentreffer)
  • Ankunftsgeschwindigkeit 550 km/s
  • Kp 5-7

NASAs Enlil-Modell geht davon aus, dass wir nicht vom High-Speed-Stream aus CH10– erreicht werden. Die Interaktion mit dem High-Speed-Stream erhöht wieder mal die Unsicherheit enorm.

C6.2 Flare mit CME, erdgerichtete Anteile, aus Region 4324 (1.1.)

Long-Duration C-Klasse-Flare mit Peak gegen 1800z am 1.1. Das Core-Filament leuchtet auf (eruptiert?), sigmoide Flare-Struktur, eine koronale Welle ist zu sehen, Dimming und post-eruptive Arkaden. Im Anschuss öffnet sich ein kleines temporäres koronales Loch.

SDO AIA 171, 211 Angström zeigt den eruptiven Flare aus Region 4325

Der koronale Massenauswurf ist nach Nordnordosten gerichtet (abgelenkt), hat aber wohl doch auch erdgerichtete Anteile.

SDO AIA 171, 211 Base Difference + SOHO LASCO C2 Running Difference

NASA M2M CME Analyse + Vorhersage ID 2026-01-01T19:36:00-CME-001

  • Ursprung N22 E09
  • Geschwindigkeit 21.5 Rs 628 km/s
  • Halbbreite 35°
  • Ankunft 2026-01-04 1500Z (Flankentreffer)
  • Kp 4-6
  • Angaben nur ungefähr und ohne Gewähr

Synoptische Karte 2.1.

2.1.2026 15:30 MEZ

Im Zentrum sehr unübersichtliche vermischte Magnetfelder. Die Turbulenzen scheinen mitverantwortlich für die Aktivität um 4324 im Norden und den Cluster um 4325 im Süden.

Aktive Regionen 4324 und 4325 immer noch am größten mit relativ hohem Flare und CME-Potential, jedoch beide nicht im Wachstum. 4325 hat an Komplexität verloren. Am Ostrand eine neue etwas größere Region. Zwei neue kleine Regionen im Norden.

Koronales Loch CH10- (negativ polarisiert) bringt uns schnellen Sonnenwind zwischen 500 und 600 km/s, sein Einfluss wird demnächst zurückgehen. Neue koronale Löcher, ebenfalls negativ am Ostrand. In frühestens sieben Tagen werden wir ihren Einfluss spüren.

Einige etwas größere Filamente im zentralen Süden, das um Region 4331 wirkt instabil. Sollte es dort zu Flux-Emergence kommen, könnte das Filament eruptieren.

Synoptische Karte 3.1.

Der erwartete CME (vom 31. Dezember) hat uns wahrscheinlich verfehlt. Der derzeitige schnelle Sonnenwind stammt höchstwahrscheinlich aus dem koronalen Loch CH10-, das sich möglicherweise nach Süden ausgedehnt hat.

Alle aktiven Regionen sind im Abklingen begriffen, mit Ausnahme von 4323 (14323): Flux Emergence und Wachstum. Sie befindet sich jedoch innerhalb größerer magnetischer Loops und ist damit eingekapselt. Mögliche CMEs dürften es somit schwer haben, der Korona zu entkommen.

Region 4334 (14334) sieht einfach aus, aber ein aktives Filament scheint verbunden zu sein – zusammen mit dem angrenzenden koronalen Loch ergibt sich eine interessante Konstellation.

Die Neigung des Sonnenäquators beträgt -3,2° – damit dürften negativ polarisierte koronale Löcher nun mehr Geoeffektivität zeigen als positive (Russell-McPherron-Effekt)

Aktive Regionen bei SapceWeatherLive

Analyse: Möglicher CME-Streifschuss 3.1. 1200 UTC

Eine Struktur im Sonnenwind sieht aus wie ein naher Vorbeizug eines CMEs. Die Ankunfts-Geschwindigkeit lässt einen Start am 31. Dezember denkbar erscheinen. Möglicherweise handelt es sich hier um den mit dem M7-Flare assoziierten CME – deutlich schwächer und deutlich später als vorhergesagt. Hier spielt sicher der High-Speed-Stream eine Rolle, der viel länger angehalten hat und auch viel schneller war als von Enlil berechnet.

Meine Hypothese zu High-Speed-Streams: sie sind ‚toxisch‘ für CMEs, dünnen diese aus und lenken sie ab, es sei denn der CME entstand in unmittelbarer Nähe zum koronalen Loch, das den schnellen Sonnenwind (High-Speed-Stream) ausbläst. Das Enlil-Modell hat hier oft Schwierigkeiten und berechnet deutlich zu hohe Stärken und Geschwindigkeiten von CMEs.

Zudem war der CME wahrscheinlich schräg inkliniert (weder vertikal noch horizontal ausgerichtet), so dass er an uns vorbei schrammte. Die operative Variante von Enlil lässt solche Details nicht zu bei der Berechnung, die aber wichtig sind für punktgenaue Vorhersagen.

Warten wir ab, ob der CME vom 1.1. etwas stärker ist. Er wird heute am 4.1. oder morgen am 5.1. erwartet.

Möglicher CME-Impact am 4.1. 2100 UTC

5.1.2025 – 00:00 MEZ

… nicht sehr stark mit interplanetarem Magnetfeld um 10 nT aber bisher mit stabil südlicher Ausrichtung: Bz zwischen -5nT und -7nT. Das reicht vielleicht nicht ganz für Aurora in Mittelbreiten – möglicherweise für ein, zwei paar kurze Substürme. Das kann allerdings noch etwas dauern.


Fortsetzung folgt …

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