Update: 20.11. 22:22 MEZ
Ruhige Sonne, schneller Sonnenwind – geringe bis mäßige Chancen auf Polarlicht in Mitteleuropa (16.11. 02:00 MEZ)
Update 18.11. 22:00 MEZ — Sonne, Sonnenwind, Erdmagnetfeld: Alles ruhig (sehr ruhig)
Update 20.11. 22:22 MEZ – Stream Interaction Region von CH96– eingetroffen (wahrscheinlich). Bz ist negativ mit fallender Tendenz. Etwas Polarlicht möglich in Mitteleuropa (Nordhorizont).
Synoptik
2025-11-16 02:00 MEZ — Region 4274 ist hinter dem Westrand verschwunden und produziert weiterhin Flares. Es wird demnächst aber ruhig werden nachdem sie noch weiter auf die Rückseite rotiert ist. Im Moment befinden sich nur auf der Südhalbkugel aktive Sonnenflecken-Regionen, alle einfach und klein. Region 4282 im Südwesten ist eine unipolare alpha-Region mit vielen kleinen Sonnenflecken, die für ihre Position auf der Südhalbkugel eine abweichende Polarität haben (anti-Hale).

Weiterhin sehen wir einige kleine negativ polarisierte koronale Löcher sowie ein großes westlich des Zentral-Meridians: CH95-. Dessen schneller Sonnenwind (High-Speed-Stream) wird uns demnächst erreichen (16.11./17.11.). Die zugehörige Stream-Interaction-Region davor könnte für erhöhte geomagnetische Aktivität sorgen. Das Space Weather Prediction Center SWPC hat für den 16.11. und 17.11. einen G1-Watch ausgegeben, sieht also die Möglichkeit für Kp5 an beiden Tagen. Ob es für Polarlicht in Mitteleuropa reicht ist nicht sicher. Vielleicht erreicht uns die Schockwelle eines koronalen Massenauswurfs („Sonnensturm“, CME) vor dem High-Speed-Stream im Laufe 16.11., dann würden wir kurzzeitig erhöhte Werte im Sonnenwind sehen und die Chancen auf Polarlicht würden steigen.
Einige Filamente sind im zentralen Bereich der Sonnenscheibe zu sehen. Im Falle einer Eruption würden sie wahrscheinlich Richtung Erde fliegen – die Position der koronalen Löcher würde dafür sorgen.
Ereignisse (Sonne)
Zum Abschied von Region 4274, die für zahlreiche X-Flares und einige erdgerichtete CMEs verantwortlich war, hier noch zwei Highlights vom 14.11. und weitere interessante Ereignisse auf der Sonne.
X4.0-Flare 14.11. 07:45 UTC mit CME nach Westen
Eine komplexe Eruption ereignete sich am frühen 14.11. mit einem X4.0-Flare, einem koronalen Massenauswurf und nachfolgender Instabilität angrenzender Filamente. Der Westrand (rechter Rand) der Sonne ist in den folgenden Videos oben.
SDO AIA Komposit
Flare-Ribbons, Flare, post-eruptive Arkaden, sich bewegende Feld-Linien/Loops, Filament-Bewegungen
Ein Prachtexemplar von einem koronalen Massenauswurf wurde ins All geschleudert.
SOHO LASCO C2 Running Differencee
Die Geschwindigkeit des CMEs liegt zwischen 1000 und 1500 km/s.
SOHO LASCO C2 Koronograf
Im CCOR-1 Koronografen ist der gewaltige CME zu sehen, Hauptrichtung West sowie ein asymmetrischer Full Halo – die Schockwelle, von der wir vielleicht etwas abbekommen… von der Hauptmasse – dem Kern – wohl eher nicht.

CME + Halo
Ich verzichte auf das Anzeigen der ganzen Modellläufe, die alle einen Vorbeizug an der Erde berechnen, einzig die Simulation der Ausbreitung der Schockwelle sei hier gezeigt (ZEUS iPATH):

CME Shock Simulation
Wir könnten am 16.11. etwas zu spüren bekommen. Aber wohl nicht mehr als einen leichten Anstieg verschiedener Sonnenwind-Parameter wie Magnetfeld, Geschwindigkeit und Dichte.
Filament-Liftoff nordöstlich von 4274 – gescheiterte Eruption (14.11.)
Das große Filament nordöstlich von 4274, das uns in den letzten Tagen schon sehr beschäftigt hat und das eine große Rolle bei den Eruptionen der aktiven Region zu spielen scheint, ist am späten 14.11. abgehoben (Filament Lift-Off), dabei hat es sich aufgelöst – das meiste Plasma ist zurück auf die Sonne gestürzt, eine Eruption mit CME gab es nicht.
AR 4274 mit zahlreichen Loops und koronalem Regen (Plasmaregen), einem verknüpften Filament, dass eruptiert ist und das große Filament im Vordergrund, dass sich nach dem Lift-Off in der Umgebung verteilt hat.
Im oberen Video sehen wir den markanten großen Trailing-Spot von 4274 – er hat begonnen zu rotieren. Dementsprechend sieht es in seiner Umgebung auch aus wie in der Nähe eines Zyklons oder Hurricanes. Die Rotation hat das darüberliegende Magnetfeld verdreht – quasi Energie eingeschraubt – die sich dann mit den Eruptionen entladen konnte. Die Eigenschaften der Region mit ihrer Lage auf der Sonne lassen weitere anhaltende Aktivität möglich erscheinen.
Hier noch eine Nahansicht vom Filament-Lift-Off:
Zoom in den Filament-Lift-Off mit anschließender Re-Absorbierung
Streamer Blowout nach Südosten 15.11.
Auch etwas fürs Auge: die Entstehung eines langsamen aber sehr großen CMEs im Südosten der Sonne. Ich schätze, es handelt sich um einen Streamer-Blowout, bin mir aber nicht zu 100% sicher.
SOHO LASCO C2
Streamer Blowout CME
Interessant zu beobachten, wie das Material zunächst ein bisschen Richtung Erde abgelenkt wird – dann aber wahrscheinlich vom High-Speed-Stream westlich und nördlich davon nach Osten und Süden weggedrückt wird.
16.11.
Geomagnetische Aktivität + erdnaher Sonnenwind – 16.11. 0345z – Shock eingetroffen
Gerade beim Fertigstellen dieses Artikels trifft tatsächlich so etwas wie ein interplanetarer Shock am Lagrange-Punkt 1 ein. Magnetfeld steigt von 5 auf 10 nT, die schon vorher erhöhte Geschwindigkeit steigt von 550 km/s auf über 600 km/s, ebenso sehen wir einen Anstieg bei Dichte und Temperatur.

Ob das noch für Mittelbreiten-Aurora heute am frühen 16.11. reicht ist fraglich, ob wir heute Abend am 16.11. noch etwas davon sehen ebenso. Warten wir ab – ich bin da eher skeptisch, aber beim Weltraumwetter weiß man nie… (☞ Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.)
Von wegen ruhige Sonne – Neue Region 4284 mit unglaublich schneller Entwicklung
16.11. 20:55 MEZ — Um 0025 UTC am 16.11. tauchte der erste Sonnenfleck auf, jetzt hat sie schon eine beta-gamma-Konfiguration und stark asymmetrische Sonnenflecken. Eine gewaltige Menge an „Flux“ steigt auf.
Region 4284 ist etwa 6° südlich vom Äquator positioniert, im Moment nahe des Zentralmeridians. Das Wachstum ist deutlich schneller als das von Region 4246/4274 zu Beginn. Der Süden ist also auch noch da! Sollte diese Sonnenflecken-Gruppe nah am Äquator irgendwann mal CMEs produzieren, so wären wir deutlich mehr in ihrer Schusslinie.
Wie bei 4246/4274 sehen wir eine untypische Nord-Süd-Orientierung. Dazu ein langgezogener, asymmetrischer zentraler Fleck (Trailing-Spot?) und ein Durcheinander der Polaritäten. Wenn die Entwicklung so weiter geht, produziert sie bald ihren ersten Flare.
Eye-Candy: Westrand der Sonne am 16.11. mit M3.1 Flare und Plasmaregen
17.11. 12:00 MEZ – Region 4274 verabschiedet sich mit einem M3.1-Flare und ein wenig Spektakel:
Filament-Bewegung, magnetische Loops, M3.1-Flare, Brightening, post-eruptive Arkaden, koronaler Regen (Plasmaregen)
Zoom
Filament-Bewegung, magnetische Loops, M3.1-Flare, Brightening, post-eruptive Arkaden, koronaler Regen (Plasmaregen)
Synoptische Karte der Sonne 17.11.
17.11. 12:00 MEZ

Filamente, koronale Löcher, magnetische Polaritäten und Neutrallinie, aktive Sonnenflecken-Gruppen
Ein äquatoriales koronales Loch CH96 mit negativer Polarität nähert sich dem Zentralmeridian und könnte in einigen Tagen schnellen Sonnenwind bringen. Das koronale Loch CH95- ist schmaler geworden. Wir spüren noch dessen schnellen Sonnenwind.
Die Region 4284 hat Komplexität eingebüßt, sie ist jetzt eine einfache bipolare Beta-Region mit Ost-West-Ausrichtung. Es wird sich zeigen, ob sie schon in der Verfall-Phase ist oder ob sie nochmals aufdreht.
Im Südosten sehen wir einen Helmet-Streamer. Er wird von dem negativen koronalen Loch im Westen und dem positiven ganz im Osten erzeugt. Der Streamer beherbergt die heliosphärische Stromschicht und ist Teil der „Sector Boundary“ – „Sektorengrenze“ klingt etwas nach kaltem Krieg im Deutschen, wie dem auch sei: im Osten beginnt der positive Sektor. Weiter oben im Artikel sehen wir einen Streamer-Blowout-CME und wie die High-Speed-Streams davor und dahinter den CME verformen.
20.11. – Stream Interaction Region sorgt für magnetische Konvektion – Polarlicht am Nordhorizont möglich
20.11. 22:22 MEZ – Interplanetares Magnetfeld südlich orientiert Bz bis -9 nT – hohe potentielle magnetische Konvektion zeigt der Boyle-Index an (CPCP):


Die Aurora wird wahrscheinlich vor allem am Polarkreis aufleuchten, mit etwas Glück wandert das Oval noch weiter in den Süden und bei genügend roter Aurora ist vielleicht später an den Küsten etwas subvisuelles Polarlicht mit Digitalkameras zu sehen bei einem kräftigeren Substurm.
Nachtrag 24.11.: Weltraumwetter-Expertin Dr. Tamitha Skov sieht hier den Einfluss eines getarnten „Stealth-CMEs“, der weder in den Koronografen noch in der EUV-Sonnen-Bildgebung Spuren hinterlassen hat: https://www.youtube.com/watch?v=FOLDm_N6ft8
Fortsetzung im nächsten Artikel:
Schneller Sonnenwind ☞ G1 MINOR STORM möglich
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