Update 1.10.21:00 MESZ
Ein unscheinbarer Halo-CME (koronaler Massenauswurf, Coronal Mass Ejection, CME, „Sonnensturm“ mit ringförmiger Struktur in der Bildgebung) könnte uns um den 28.9./29.9. streifen und mit der ankommenden Stream-Interaction-Region des schnellen Sonnenwinds aus den koronalen Löchern CH81/CH82 interagieren.
Synoptik

25.9. 23:30 MESZ – Der Komplex aktiver Regionen im Südwesten↘︎ hat hier und da für M-Klasse-Flares gesorgt und auch CMEs produziert, jedoch nicht Richtung Erde. Er zieht langsam ab und wird weniger relevant für uns. Ein weiterer Komplex im Südosten↙︎ rückt in die erdzugewandte Zone. Von hier können in den nächsten Tagen möglicherweise stärkere Flares und CMEs erwartet werden, je nach dem wie die Entwicklung anhält. Im Augenblick ist es ruhig.
Zwei koronale Löcher im Zentrum haben den Zentralmeridian passiert und bringen uns etwas schnellen Sonnenwind und erhöhte geomagnetische Aktivität ab dem 28.9. (circa). Auch diese sind wieder negativ polarisiert – ungünstig für besonders starke Geoeffektivität im September (Russell-McPherron-Effekt). Da wir uns zeitlich im Bereich der Tag-Nach-Gleiche befinden ist die Wahrscheinlichkeit für geomagnetische Stürme dennoch erhöht (Äquinoktial-Effekt, McIntosh-Effekt).
- Russell, C. T., and R. L. McPherron (1973), Semiannual variation of geomagnetic activity, J. Geophys. Res., 78(1), 92–108, doi:10.1029/JA078i001p00092.
☞ agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/ja078i001p00092 - Lockwood, M., Owens, M. J., Haines, C., Barnard, L. A., Scott, C. J., Chambodut, A., McWilliams, K. A., & Thomson, A. W. P. (2020). Universal Time Variations in Space Weather. ESS Open Archive, doi:10.1002/essoar.10504343.1.
☞ www.authorea.com/doi/pdf/10.1002/essoar.10504343.1
Koronaler Massenauswurf vom 24.9. (Halo-CME)
Ein unscheinbarer Halo-CME könnte uns um den 28.9./29.9. streifen und mit der ankommenden Stream-Interaction-Region des schnellen Sonnenwinds aus den koronalen Löchern CH81/CH82 interagieren.

25.9. 03:17z

25.9. 13:17z

25.9. 19:17z
Seitenansicht vom STEREO-A-Satelliten: Eine Front ist Richtung Erde unterwegs, im Hintergrund ein weiterer CME nach Nodosten abgelenkt. Der linke Rand liegt bei etwa 0,4 AU.

24.9. 16:42z

25.9. 02:54z

25.9. 07:42z
Im SOHO LASCO Koronografen sehen wir einen CME, der sich nach Nordosten ausbreitet (gestrichelt) sowie einen weiteren mit einem Halo der sich mehr oder weniger Richtung Erde bewegt (es kommt auf uns zu!!!). Für beide ist der genaue Ursprung unbekannt, für den südlichen Teil kommt eine Eruption am Rand in Frage.

24.9. 0909z

24.9. 1038z

24.9. 1223z

24.9. 1409z
STEREO A Running Difference zeigt einen CME nach Nordosten sowie eine weitere Front, die sich davor ausbreitet – der mutmaßliche Halo-CME. Hier stellt die gestrichelte Linie den Halo-CME dar (nicht wie oben den ersten CME).

Die Halo-Struktur in SOHO LASCO C2 Running Difference um 12:56z passt perfekt zur Struktur in STEREO: Ein zweiter CME!

früher 24.9.

später 24.9.
Die Veränderung der Form des koronalen Lochs ist ein typischer Hinweis auf einen „Stealth-CME“ – also genau das was hier haben. Denn der CME wurde bisher von keiner Agentur beachtet und simuliert.


Das PFSS-Modell zeigt das potentielle Magnetfeld der Sonne und mögliche Ablenkungen von Eruptionen. Der obere Teil des Halo-CME stammt wahrscheinlich von einer Filament-Eruption bzw. einem Zuwachsen des koronalen Lochs CH81-, der untere Teil von einer Eruption am Rand im Südosten↙︎, die extrem stark abgelenkt wurde. Beide haben sich zu einer Front vereinigt und werden im interplanetaren Raum durch die High-Speed-Streams der umgebenden koronalen Löcher beeinflusst und beschleunigt.
Modelle
Weder NASA noch NOAA noch KASA noch BoM haben diesen CME im Programm. Das britische MOSWOC sieht nur den nach Nordosten abgelenkten CME (schätze ich). Jener soll 220 km/s schnell sein, wird beschleunigt und gerät zwischen die High-Speed-Streams von CH81 und CH82 CH81/82 und CH83/84. Für ebenjenen CME gibt es Simulationen bei HUXt und MetOffice. Der von mir beschriebene Halo-CME ist nicht dabei soweit ich das einschätzen kann.


MOSWOC bei esa (Login erforderlich)
Für den 28.9. sieht MOSWOC eine Chance von 30% für G1-Sturm (MINOR), hauptsächlich durch das Eintreffen einer der High-Speed-Streams aus CH81– oder CH82-.
Sollte am 28.9. der Halo-CME eintreffen (oder uns streifen) so wäre hier sicher ein stärkerer Impact zu erwarten als simuliert.
Also wie immer alles sehr unsicher jedoch mit einer erhöhten Chance für ein unerwartetes stärkeres Event. Falls sich genauere Analysen ergeben, gibt es hier natürlich ein Update.
M-Klasse-Flare aus Region 4226 im Zentrum
27.9. 07:30 MESZ
Wir sehen etwas Dimming und eine EUV-Welle, die die Feldlinien etwas durchschüttelt. Es könnte ein kleiner CME produziert worden sein, aber es liegen noch keine aussagekräftigen Bilder von Koronografen vor. Also müssen wir noch etwas warten für eine Einschätzung.
27.9. 09:00 MESZ – Im STEREO A Koronografen ist kein CME zu entdecken. Na dann vielleicht beim nächsten Flare. Die Sonne scheint gerade an Aktivität zuzulegen.
27.9.: Schwaches Polarlicht in N-Deutschland
27.9. 21:50 MESZ – Rügen

https://kap-arkona.panomax.com/peilturm?t=2025-09-27+21-50-00&r=17&z=256&tl=178

PC Index bei 2 – Energietransfer in die Magnetosphäre – die Bedingungen für Substürme verbessern sich.
Grund: Interplanetares Magnetfeld mit anhaltend negativen Bz-Werten (Vorboten eines CMEs, Fetzen eines CMEs oder die Stream-Interaction-Region eines High-Speed-Streams – lässt sich nicht genau sagen im Moment)
Solar Synoptic Map 28.9.

Drei neue Regionen am Ostrand, zwei große positiv polarisierte koronale Löcher die uns Anfang Oktober schnellen Sonnenwind bringen, Flux-Emergence im zentralen Süden: Spannung wie lange nicht mehr.
Im Einfluss von CMEs und Stream-Interaction-Regionen
28.9. 21:00 MESZ

Es hat den Anschein, als hätten wir eine CIR/SIR (Stream Interaction Region) passiert. Nun sieht es so aus als befänden wir uns im Einfluss eines oder bereits eines zweiten CMEs – vielleicht gemischt mit einer weiteren Stream-Interaction-Region. Leider ist die Bz-Komponente fast ausschließlich nach Norden ausgerichtet, was Polarlicht-Tätigkeit unterdrückt.
Die Geschwindigkeit liegt knapp über 400 km/s und die Dichte schwankt. Im Moment ist die Dichte sehr niedrig, was zusammen mit einer relativ niedrigen Geschwindigkeit zu einem niedrigen dynamischen Druck führt. Ein hoher dynamischer Druck (durch entweder hohe Dichte oder hohe Geschwindigkeit – am besten beides) könnte auch bei positiven Bz-Werten um die Tag-Nacht-Gleiche herum die geomagnetische Aktivität erhöhen.
Es könnte sich lohnen, den Sonnenwind weiter im Blick zu behalten. Falls die Werte genauso bleiben, bleibt die Polarlichtwahrscheinlichkeit gering.
Magnetic Cloud
28.9. 23:45 MESZ

Seit 2000z (22:00 MESZ) sieht das interplanetare Magnetfeld/ der Sonnenwind sehr nach einem Flux-Rope bzw. einer Magnetic Cloud aus – also dem wohlstrukturierten Teil eines CMEs. Bz ist im Augenblick negativ und es sieht nach anhaltender Tendenz aus. Für Polarlicht gute Aussichten.
Aurora wahrscheinlich im Norden
29.9. 18:30 MESZ

Das Oval liegt bei 60°N mit seiner Südgrenze. Die Konvektion ist hoch (CPCP bei 150 kV),der AE-Index steigt, der PC-Index liegt bei drei und nimmt zu, das interplanetare Magnetfeld hat eine negative Bz-Komponente seit gestern 20:00 und es sieht so aus als bliebe das auch so.
Aurora ist sehr wahrscheinlich heute Abend/Nacht. Zumindest fotografisch/subvisuell in Norddeutschland, vielleicht gibt es auch stärkere Substürme mit visuellen Episoden.
Aurora ahoi!
19:30 MESZ

22:00 MESZ

https://kap-arkona.panomax.com/peilturm?t=2025-09-29+21-30-00&r=64&z=100&tl=2
Das Oval ist mit grünem Bogen und diffuser roter Aurora präsent im Norden Mitteleuropas, dazu gesellt sich südlich davon ein relativ seltener SAR-Bogen. In Ermangelung eines kräftigen Substurms wirkt das ganze eher statisch. Die magnetische Konvektion hat etwas nachgelassen aber ich bin ganz optimistisch, dass wir bis Mitternacht noch ein großes, farbiges Aufleuchten sehen werden. (Sicher ist das natürlich nicht!)
22:20 MESZ
Und da ist er auch schon der leuchtende Substurm (Während ich die obigen Zeilen schrieb, sowas…):

amrum.panomax.com

opendata.dwd.de

brocken.roundshot.com
30.9. 05:00 MESZ – Die CIR der koronalen Löcher CH82/83+ CH83+/CH84+ hat uns erreicht und bringt mit stark negativen Bz-Werten erneut Aurora zu uns. Jetzt am frühen Morgen unter anderem in Form von blauen Strahlen (Blue Rays)


Diese Formation ist auf vielen Webcams in vielen Breitengraden zu sehen. Sie scheint sehr – sehr weit weg zu sein. Was am Horizont so hellblau leuchtet ist das Tesla-Werk östlich von Berlin.
30.9. Schneller Sonnenwind & geomagnetischer Sturm
19:00 MESZ – Der schnelle Sonnenwind aus CH82/83 CH83/84 hat uns erreicht. Die Wahrscheinlichkeit für Polarlicht später ist sehr hoch. Updates folgen.
22:20 MESZ – Wir befinden uns gerade in der „Harang-Diskontinuität“ des Erdmagnetfeldes mit verminderter geomagnetischer Aktivität. Es sieht aber so aus, als würde sich gerade ein Substurm entwickeln. Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit für Polarlicht in Nord-Mitteleuropa immer noch sehr hoch.
Der augenblickliche High-Speed-Stream hat ein überwiegend südlich polarisiertes Magnetfeld dank seiner positiven Polarität (Russell-McPherron-Effekt), dadurch ist die Konvektion von Energie in die Magnetosphäre hoch, das Oval ist potentiell wie gestern bei etwa 60°N mit seiner Südgrenze und die Magnetosphäre ist im Sturm-Modus. Leider lässt sich nicht genau vorhersagen wann der nächste Aktivitätsschub kommt.
22:30 MESZ – Substorm Expansion

22:40 MESZ

03:00 MESZ – Kräftiger Substurm ab etwa 02:30 MESZ

sauerland.camera
Den besten Eindruck der Nacht bekommt man von der Amrum Webcam – sie war größtenteils wolkenlos


Analyse Sonnenwind 27.9. – 1.10.
1.10. 03:00 MESZ – Das ist meine vorläufige Einschätzung:

Zunächst befanden wir uns im Einfluss des schnellen Sonnenwinds aus den koronalen Löchern CH81– und CH82– (sehr schnell war er nicht mit nur etwas über 400 km/s).
Am 28.9. gegen 2000z sehen wir den Beginn der Passage einer Magnetic Cloud mit einem W-S-E Flux-Rope – sehr wahrscheinlich der Stealth-CME der mit dem Halo sichtbar nach 1200z am 24.9. in SOHO LASCO C2 verbunden ist. Das Ende der MC erreichten wir gegen 2100z am 29.9.
Danach am 30.9. gerieten wir in die Corotating-Interaction-Region der koronalen Löcher CH83+ und CH84+ die wahrscheinlich Reste des CMEs vom 24.9. vor sich her schiebt, der mit dem Halo welcher gegen 0600-0900z in SOHO LASCO C2 zu sehen war verbunden ist. Dies ist m.M.n. der CME, den MOSWOC gelistet und simuliert hat (und zwar recht gut). Seit etwa 12:00z sind wir dem High-Speed-Stream (schneller Sonnenwind) aus CH83/CH84 verbunden.
Der frühe High-Speed-Stream-Onset wird möglicherweise unterstützt durch ein kleines positiv polarisiertes koronales Loch im Norden, dass den Zentralmeridian am 27.9. um 2200z passiert hat. Siehe oben.
1.10. Aurora heute?
21:00 MESZ – Sehr wahrscheinlich. Vermutlich nicht so stark wie gestern (3 Substürme, der mittlere am intensivsten) – der PCindex liegt bei 5.5 mV/m, AE-Index deutlich über 1000 nT, Hp30 um 6 herum – alles sehr gut für Aurora. Es kann jedoch sein, dass sich das Oval etwas polwärts verschoben hat und wirklich nur der äußerste Norden nochmals in den Genuss kommt. Werte und Warnungen im Blick behalten könnte sich lohnen…
23:20 MESZ – Ein erster Substurm brachte Aurora bis südlich von 50°N (21:50 MESZ – 22:50 MESZ) – also vielleicht sogar noch etwas südlicher als gestern. Das Sturm-Schema scheint heute etwas chaotischer/zufälliger zu sein.
Zur Entwicklung auf der Sonne weiter im nächsten Beitrag
Hohe Aktivität im Osten der Sonne
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