2026-05-09, 0200 UTC

Weiter schneller Sonnenwind, weitere unbemerkte Sonnenstürme (CMEs) könnten eintreffen, interessante Entwicklung im Nordwesten und hinter dem Nordostrand

Sonne: Überblick

Wir befinden uns im Einfluss des positiv polarisierten koronalen Lochs CH50+, dessen Sonnenwind in der Nähe der Erde zwischen 500 und 600 km/s schnell ist. Weitere koronale Löcher können in den nächsten Tagen weiterhin für erhöhte Sonnenwind-Geschwindigkeit sorgen.

Die aktiven Region (Sonnenflecken-Gruppen) der sichtbaren Sonnenscheibe sind klein und einfach – mit Ausnahme von Region 4432. sie befindet sich im Wachstum mit steigender Komplexität und Flare-Potential. Sollte die Entwicklung so weiter gehen, könnte sie noch vor Erreichen des Westrandes CMEs produzieren. Ob es so kommt bleibt abzuwarten.

Im Osten sehen wir ein sehr großes trans-äquatoriales koronales Loch mit negativer Polarität. Im Mai heißt das hohe Geoeffektivität. In etwa einer Woche könnten wir in dessen Einfluss geraten.

Dahinter im Nordosten befindet sich ein Komplex aktiver Regionen, der zuletzt stärkere solare Flares (M2.6) und größere CMEs (Full Halo) produziert hat. Gespannt verfolgen wir die weitere Entwicklung (mehr dazu unten).

SDO AIA 171, 193, 211
1.Mai 2026 – 8.Mai 2026
Eine sehr aktive, ungestüme Korona mit zahlreichen Mini-Eruptionen und im Nordosten auch größeren Ereignissen

Wir sehen in den ersten Tagen des Monats Mai eine aktive Korona mit viel Bewegung, Filament-Eruptionen, sich öffnenden und schließenden koronalen Löchern, großflächigem Dimming im Süden und im Nordosten↖︎ schon das Gebrodel der Rückseite. Es haben einige CMEs unbemerkt die Sonne verlassen, teils weil sie schwer zu erkennen in der hohen Korona entstanden sind oder weil sie kaum Spuren in den Koronografen hinterlassen haben.

Die Form des äquatorialen koronalen Lochs scheint sich auch ständig zu ändern – dies allein reicht schon um getarnte CMEs (Stealth-CMEs) zu produzieren, die sehr langsam und unbemerkt das nahe Umfeld der Sonne verlassen, dann später aber durch den schnellen Sonnenwind aus dem koronalen Loch, das sie hervorgebracht hat, beschleunigt und zu „richtigen“ interplanetaren CMEs verdichtet werden.

Sonne: Gebrodel am Nordostrand↖︎

Der Solar-Orbiter Raumflugkörper ermöglicht uns momentan einen Blick auf die größtenteils leere Sonnenrückseite. Im Norden befindet sich jedoch ein großer Sonnenflecken-Gruppen-Cluster, aus dem die aktive Region 4419 beim letzten Umlauf zwei X-Klasse-Flares und über 10 CMEs produziert hat bevor sie hinter dem westlichen Rand verschwand.

Solar Orbiter: Sonnenrückseite 1. Mai 2026 – 8. Mai 2026
EUV 171, 304 + Magnetogramm + Kontinuum (Sonnenflecken)

Die Region 4419 existiert vermutlich nicht mehr, aber westlich davon hat sich eine neue große gebildet die zuletzt sehr aktiv Flares und CMEs produziert hat. Sie müsste demnächst am Ostrand zu sehen sein. Wie sich die Dynamik des Clusters genau entwickelt, lässt sich nicht abschätzen. Das Potential für signifikantes Weltraumwetter aus diesem Bereich ist aber wahrscheinlich weiter hoch.

Eruption mit Filament Lift-Off, M2.6-Flare, hellen spiraligen post-eruptiven Arkaden und Supra-Arcade-Downflows (SADpoles)
SDO AIA 171 Base Difference, AIA 304, AIA 131, AIA 195, AIA 211

Noch hinter dem Nordost-Rand befindlich konnten wir dennoch bereits eine ganz erstaunliche Eruption beobachten mit sich öffnenden Feldlinien und einem tanzenden Filament. Mal sehen, ob noch etwas übrig ist, wenn wir in einigen Tagen in der Schusslinie des Clusters liegen.

Erde: Polarlicht 2026-05-04/05

Ein interplanetarer koronaler Massenauswurf (CME, Sonnensturm) vom 30.4. mit anfangs günstig nach Süden orientiertem Magnetfeld sorgte für etwas Mittelbreiten-Polarlicht in Europa.

Der sichtbare grüne Bogen in Norddeutschland zeigt, dass das Polarlicht-Oval deutlich nach Süden expandiert ist.

Polarlicht 2026-05-04/05 (AKM-Forum)

Mehr dazu im vorherigen Beitrag: Filament-Eruptionen in alle Richtungen, ein bisschen auch zur Erde 2026-05-04 – Leuchtender Substurm

Erde: Polarlicht 2026-05-07/08

Ein nur wenige Minuten andauernder Substurm erzeugte sehr hochreichende rote Strahlen am Polarkreis, die noch über 1400 km südlich zu sehen waren: 67°N ☞ 54°N (zumindest fotografisch). Das Oval blieb ortsfest nördlich des Polarkreises – normalerweise können wir unter diesen Umständen die Aurora nicht sehen. Eine Ausnahme!

Polarlicht 2026-05-07/08 (AKM-Forum)

Der Auslöser war vermutlich ein unerwarteter CME (Stealth-CME), der am 7. Mai eingetroffen ist. Dessen Magnetfeld war vorwiegend nördlich, die axiale By-Komponente jedoch stark (20nT), sodass doch etwas Energie an die Seiten des Magnetschweifs der Erde übertragen wurde und rote Strahlen erzeugt werden konnten. Es blieb dennoch bei diesem einen kurzen Substurm in Europa.

ROTI aus Norwegen zeigt das Polarlicht-Oval in Echtzeit

Kartverket Norwegen stellt einen Dienst bereit, dessen Zweck eigentlich die Erfassung von GPS-Störungen ist. Er lässt sich zweckentfremden zur Bestimmung der Lage und Stärke des Polarlicht-Ovals.

(ROTI = Rate of TEC Index – Die Änderungsrate des totalen Elektronengehalts der Ionosphäre)

Erde: Analyse Sonnenwind

Am frühen 4. Mai traf ein CME ein, etwas früher und deutlich stärker als vorhergesagt. Gegen 1500 UTC erreichte uns dessen Kern mit anfangs südlicher Ausrichtung seines Magnetfeldes, was zu erhöhter geomagnetischer Aktivität und Polarlicht führte. Am 5. Mai schloss sich unerwartet stark ein weiterer CME an. Zeit und Ort des Ursprungs lassen sich nicht eindeutig feststellen – es gibt mehrere Möglichkeiten. Dessen Magnetfeld bleib aber ausschließlich nördlich, ein Effekt auf das Erdmagnetfeld blieb damit aus. Am 7. Mai traf ein weiterer CME ein (auch dieser wurde so nicht erwartet), magnetisch anfangs nördlich, später kurz etwas südlich orientiert — mäßige geomagnetische Auswirkungen.

Im Anschluss sahen wir die Stream-Interaction-Region und nachfolgend den schnellen Sonnenwind aus dem koronalen Loch CH50+. Beide sind etwa einen Tag später als erwartet eingetroffen. Da wir nun im positiven Sektor des interplanetaren Magnetfeldes sind (Verbindung mit positiv polarisiertem koronalen Loch) bleiben die Auswirkungen auf das Erdmagnetfeld gering: im Mai bevorzugt die Erde negatives Magnetfeld um Polarlicht zu produzieren.

Der Jplot zeigt mehrere CMEs, die zur Erde unterwegs waren (gewesen sein könnten) und auch möglicherweise noch sind. Die gelben Linien sind vermutlich die CMEs, die am 4. und 5. Mai eingetroffen sind. Wir sehen nachfolgend noch eine ganze Reihe weiterer CMEs, von denen einige die Erde gestreift haben könnten und eventuell noch werden. Sie könnten aber auch vor und hinter der Erde vorbeiziehen.

Mit weiteren Überraschungen können wir also rechnen, doch sicher ist nichts (gar nichts).

Drei Kandidaten für CMEs, die uns getrfoffen haben könnten. Leider gab es viele Datenlücken bei den Echtzeit-Übertragungen vom STEREO A Satelliten, ebenso bei SOHO LASCO. Deshalb konnten nicht alle erdgerichteten CMEs rechtzeitig erfasst und simuliert werden. NOAA CCOR-1 hat zwar weniger Datenlücken, jedoch Schwierigkeiten zarte, optisch dünne CMEs anzuzeigen.

Mehr zu Eruptionen Anfang Mai im vorherigen Beitrag:


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