Update 2026-04-04 0930z

Aktive Sonne mit zahlreichen Filament-Eruptionen, M-Klasse-Flares und schnellem Sonnenwind aus einem rechteckigen koronalen Loch – mehr Flares möglich

Synoptik

2026-04-04 0530z – Das koronale Loch westlich des Zentrums hat eine beinah rechteckige Form. Es ist negativ polarisiert und hauptsächlich südlich des Äquators lokalisiert. Wir können es als den alten magnetischen Südpol des aktuellen Sonnenzyklus 25 betrachten. Ringsherum aktive Regionen, nördlich das neue negative polare koronale Loch und am Südpol das neue positive koronale Loch vom nächsten Sonnenzyklus 26.

Die Bänder des neuen Zyklus wandern Richtung Äquator und komprimieren den alten Zyklus mit seinen verknoteten Magnetfeldern – daraus resultiert eine Zunahme der Sonnenaktivität.

  • Region 4405 produzierte einen X-Flare und einen großen CME, der uns knapp verfehlte. Seitdem ist die Region ruhig und im Verfall begriffen. Ein großes sigmoid-förmiges Kernfilament wartet jedoch noch auf das Signal zum Eruptieren.
  • Region 4409 zeigt schnelle Entwicklung und zunehmende Komplexität, die Flares, die sie erzeugt werden immer stärker, zuletzt ein M7.5-Flare, jedoch wohl ohne bedeutsamen koronalen Massenauswurf (CME)
  • Region 4403 war mit einem großen Filament verbunden, das mit einem C6-Flare eruptierte und das nördliche koronale Loch öffnete, die Shockfront des CMEs ist am 3.4. gegen 1500z eingetroffen
  • Region 4404 produzierte am 2.4. gegen 1800z einen M3.6-Flare, ein CME minderer Größe entstand, er könnte uns eventuell am 5.4. streifen

Der High-Speed-Stream aus dem koronalen Loch CH36– ist sehr geoeffektiv, zusammen mit streifenden CMEs oder deren Shockfronten erreichten die Indizes für geomagnetische Stürme Hp30-Index 7+, und Kp-Index 7–, also G3 STRONG STORM von 1500-1800z am 4.4. Die Plasma-Geschwindigkeit in Erdnähe erreichte Spitzenwerte von 858 km/s am 3.4.

Der Einfluss des koronalen Lochs wird langsam abnehmen. Sollte uns der CME vom 2.4. am 5.4. streifen, könnte es nochmals erhöhte geomagnetische Aktivität geben, vielleicht Episoden mit G1 MINOR STROM oder G2 MODERATE STORM, der Trend ist aber tendenziell abnehmend – Substürme sind weiter möglich.

Das Timing der bisherigen Impacts lag ungünstig für Europa. Zusätzlich erschwert der helle Mond Polarlichtsichtungen. Nur für den 1.4./2.4. gibt es bisher Meldungen aus Mitteleuropa.

Sonnenwindanalyse

Der Shock vom CME vom 30.3. (assoziiert mit X1.4 Flare aus Region 4405) erreichte uns später als erwartet am 1.4. Nachfolgend sehen wir vermischte Eigenschaften einer Stream-Interaction-Region/ eines High-Speed-Streams und eines in der Nähe vorbeiziehenden CMEs. Im andauernden High-Speed-Stream erreichte uns die Shockfront vom CME aus der Nähe von 4403 (Filament-Eruption mit C6-Flare). Den Kern des CMEs werden wir wohl nicht sehen.

Filament-Eruptionen

Die fliegende Klobrille vom 1.4.2026, 1800z

Filament Lift-Off vom 1.4.2026, 1800z
SDO AIA 304, 171, 193, 211

Ein ringförmiges Filament hatte sich um die sonst einfache Region 4399 gebildet. So eine Konfiguration ist instabil und führt oft zu Eruptionen. Ein recht langsamer CME nach Südwesten wurde produziert.

Das Zirkuszelt vom 1.4.2026, 2300z

Eine in mehrerer Hinsicht erstaunliche Filament-Eruption aus der Umgebung von Region 4403.

SDO AIA 171, 304 zeigt die Chromosphäre und die Übergangszone mit Filamenten und magnetischen Schleifen

Zwei ineinander verschränkte Filamente. Das eine reißt das andere mit nach oben – es erinnert an die Aufrichtung eines Zirkuszeltes.


SDO AIA 171, 193, 211 zeigt die Korona mit Filamenten und koronale Löcher

Es wurde ein großer Teil der nördlichen Korona mitgerissen. Dabei wurde das nördliche polare koronale Loch (temporär) geöffnet.


SDO AIA 171, 193, 211 Base Difference: Dimming, Brightening, koronale Wellen

In der Base-Differenz-Bildgebung gut sehen, wie groß und energiereich diese Eruption war mit koronaler Welle und großflächigem Dimming. Ein Type-II-Radio-Burst wurde registriert, das ist ungewöhnlich für eine Filament-Eruption. Die post-eruptiven Arkaden sendeten Röntgenstrahlen aus: ein C-Klasse-Flare (C6) wurde registriert. In Koronografen war neben dem CME eine große, sich kugelförmig ausbreitende Shockwelle zu sehen. Außerdem wurden energetische Partikel freigesetzt, die kurz nach der Eruption im geostationären Erdorbit gemessen wurden.

Der Shock des CMEs mit etwa 1000 km/s erreichte uns am 3.4. gegen 1500 UTC. Danach stieg die interplanetare Plasma-Geschwindigkeit auf über 850 km/s an. Der Kern des CMEs erreichte uns wohl nicht (zumindest bis jetzt).

Die Shockfront in der Seitenansicht vom Heliospheric Imager von STEREO A. Auf dem letzten Frame ist zu sehen, wie die Struktur vom High-Speed-Stream, in den sie gerät, ausgedünnt und verwaschen wird. Die untere Beule ist der langsamere fliegende Toilettendeckel.

Filament-Entwirrung am 2.4.2026, 1800z mit M3.5-Flare und CME

Region 4404 hatte ein kleines, fest gewickeltes Kern-Filament, dass sich ent-wunden hat. Etwas Material konnte dabei entweichen und hat einen CME produziert, der uns am 5.4. streifen könnte.

SDO AIA 171, 304, 211 Base Difference

Nicht ganz besonders beeindruckend der schmale CME nach Nordwesten in SOHO LASCO C3

Region 4409 mit Komplexität und M-Klasse-Flares

Die Sonnenflecken-Gruppe zeigt recht rapide Entwicklung zu mehr Komplexität mit starker magnetischer Scherung in der Leading-Section, was zur Produktion vieler solarer Flares führt.

Seit dem 4.3. dominiert die Region das Flare-Geschehen auf der sichtbaren Sonnenscheibe.

LMSAL solarsoft latest events zeigt die letzten 20 Flares – alle kamen von Region 4409, viele C-Klasse-Flares, ein paar M-Klasse-Flares

lmsal.com/solarsoft/latest_events

Am 4.4. um 01:17 UTC brachte sie einen starken M7.55-Flare hervor, wahrscheinlich jedoch keinen CME – Koronagraphen-Daten gibt es nur von CCOR-1 bis 03:30z, bis dahin ist nichts zu sehen (Stand 2026-04-04 0530z)

Marginales Dimming nördlich der Region, ein paar sich öffnende Feldlinien und nur wenige kleine post-eruptive Arkaden deuten darauf hin, dass nur wenig Material die Korona verlassen konnte. Nichts desto trotz wurde ein starker Mikrowellen Radio-Burst verzeichnet, der über das gesamte Spektrum von 24 GHz bis unter 2 GHz ging und somit sicher Störungen bei GPS, ADS-B, Satellitenkommunikation und Radar verursacht hat.

Owens Valley Solar Arrays – ovsa.njit.edu

Updates

Synoptische Karte, 2026-04-04


… Updates folgen


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