Update 2026-03-29, 0330z

Viele neue Sonnenflecken-Gruppen im Osten mit C-Klasse und einem M-Klasse-Flare und koronalen Massenauswürfen Richtung Nordosten und Südosten. Ein koronales Loch im nördlichen Zentrum könnte schnellen Sonnenwind bringen und erhöhte geomagnetische Aktivität. (2026-03-28 0100 UTC)

Synoptik & Vorhersage – 2026-03-28, 0100z

Aktive Regionen

Region 4401 im Norden ist groß und im Wachstum, jedoch bisher bipolar mit geschlossenen Feldlinien und inaktiv, Flares und koronale Massenauswürfe betreffend.

Region 4403 ist ein einzelner großer Sonnenfleck, produzierte jedoch vor kurzem einen M3.9-Flare und einen schmalen CME nach Nordosten. Zuletzt eruptierte sie wieder mit einem C-Klasse-Flare, Dimming und koronaler Welle.

Sonnenaktivität vom 24.3. – 27.3. – Animation der letzten 3,5 Tage zeigt Flares und CMEs sowie ein seine Form änderndes koronales Loch im nördlichen Zentrum.(SDO AIA 171, 193, 211, 131)

Die Regionen 4404 und 4406 wirken zunächst relativ einfach, sie könnten sich aber weiter entwickeln. Hinter dem Ostrand befinden sich möglicherweise weitere Regionen.

Region 4405 war sehr aktiv mit C-Klasse-Flares und CMEs. Sie ist auf der Rückseite entstanden und demnach noch relativ jung. Die Nähe zum koronalen Loch könnte zu weiterer Zunahme der Aktivität führen.

SDO AIA 171, 193 Running Difference, 211, 131
Flare und CME von Region 4405

Koronale Löcher

Das positiv polarisierte koronale Loch CH34+ liegt nördlich vom Äquator und noch weiter nördlich der Achse Erde-Sonne. Dessen schneller Sonnenwind wird deshalb nicht sehr stark sein, die Stream-Interaction-Region könnte am späten 28.3. oder 29.3. eintreffen und für erhöhte geomagnetische Aktivität sorgen.

In etwa einer Woche könnte der schnelle Sonnenwind aus dem koronalen Loch CH36– für erhöhte geomagnetische Aktivität sorgen.

SDO AIA 211 – koronales Loch CH34+
Öffnen und Schließen im Norden deuten auf einen CME hin

Stealth-CME

Im Nordwesten sehen wir eine Vergrößerung des Areals von CH34+ in SDO AIA 211 – dabei wurde koronales Material in den Weltraum evakuiert. Zunächst sehr langsam, dann beschleunigt vom schnellen Sonnenwind des koronalen Lochs.

SOHO LASCO C2 Koronograf im sichtbaren Licht und im Running Difference Modus zeigt einen CME

Wir sehen die Hauptrichtung nach Nordwesten und nur ein leichtes Ankratzen der Ekliptik. Der CME ist relativ deutlich im Koronographen zu erkennen, deshalb kein ganz typischer Stealth-CME, Spuren auf der Sonnenoberfläche gibt es jedoch nur als eher unscheinbares Dimming und Brightening, da das Material aus der hohen Korona stammt und ohne Flare langsam die Sonne verlässt.

Vielleicht erreichen uns Teile des CMEs mit Eintreffen der Stream-Interaction-Region (schneller Sonnenwind trifft auf langsamen Sonnenwind und komprimiert das Magnetfeld) am Wochenende (28.3., eher 29.3.). Met Office sieht eine Chance auf G1 MINOR STORM.

Alte und neue magnetische Pole der Sonne

CH34+ kann als Rest des nördlichen polaren koronalen Lochs vom Sonnenzyklus 25 angesehen werden, CH36– als das südliche. CH35+ im Südpol repräsentiert bereits das neue südliche koronale Loch vom nächsten Sonnenzyklus 26 (den neuen Südpol) jetzt mit positiver Polarität. Das neue nördliche polare koronale Loch ist noch nicht stabil, es öffnet sich immer wieder an verschieden Stellen und schließt sich wieder.

Vielleicht (wahrscheinlich) ist die Zunahme der Aktivität im Osten der Sonne auf die Konstellation der koronalen Löcher und die Begegnung des aktuellen Sonnenzyklus 25 mit dem neuen Nr. 26 zurückzuführen.

Auffällig sind auch die von Nordosten nach Südwesten verlaufenden Bänder auf der nördlichen Halbkugel beginnend und auf der südlichen endend – ein mögliches Anzeichen für „planetare“ Rossby-Wellen? Etwas merkwürdig daran ist, dass wir normalerweise symmetrische Strukturen >>> und nicht solche /// erwarten würden. Vielleicht ist es auch nur eine optische Täuschung.

2026-03-28, 0500z – Region 4055: M1.3 Flare und komplexe Eruption

SDO AIA 171 Green, AIA 193 BD Blue, AIA 211 BD Red, AIA 131 Red
Flare und CME, Region 4405

Komplexe Eruption mit einem moderaten, lang anhaltenden M1.3-Flare aus der Region 4405 im Südosten der Sonne.

SDO AIA 171 Green, AIA 193 BD Blue, AIA 211 BD Red, AIA 131 Red
SDO HMI magnetogram, continuum (sunspots and polarities)

Großes Dimming nördlich davon, sich öffnende Feldlinien, post-eruptive Arkaden und Radioemissionen deuten auf die Freisetzung eines CME hin. Auf die Erde gerichtete Komponenten sind eher unwahrscheinlich.

2026-03-29, 0330z – Synoptische Karte

Jetzt mit CME-Label (sofern die Region zuvor einen CME produziert hat – der beste Vorbote für einen weiteren CME) und maximaler Flare-Stärke pro Region; SWPC/MOSWOC-Flare-Wahrscheinlichkeiten ab M 10 %; Anzahl der Sonnenflecken, Carrington-Längengrade für jede Region, F10.7 von gestern, aktuelle SILSO-Sonnenfleckenzahl


Nächster Beitrag:
X1.4 Flare und CME (‚Sonnensturm‘) mit erdgerichteten Anteilen


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3 Gedanken zu „Zunahme der Sonnenaktivität & ein Stealth-CME“
  1. Hallo Marco,
    sehr interessante Seite. Frage: Was ist ein Stealth-CME ? Kannst Du „Stealth“ bitte etwas näher erläutern ? Ich habe zwar schon woanders geschaut, werde jedoch nicht ganz schlau. Dankeschön.
    Beste Grüße Amirana

    1. Stealth = getarnt, heimlich (☞ Stealth-Bomber).

      Sie entstehen am Rand von koronalen Löchern hoch in der Korona. Es gibt keinen Flare und manchmal sind sie auch im Koronografen kaum bis gar nicht zu erkennen. Sie sind zunächst sehr langsam, werden dann aber vom schnellen Sonnenwind des koronalen Lochs beschleunigt. Sie sind problematisch, weil sie oft übersehen werden, können aber durchaus mit Hilfe des koronalen Lochs G1-G2 geomagnetische Stürme (MINOR – MODERATE), manchmal sogar G3 (STRONG) erzeugen.

      Sie haben oft die gleiche Nord-Süd-Ausrichtung wie der Stream des koronalen Lochs, bei diesem wäre das bei positiver Polarität im April ein positiver also nördlicher Bz-Vektor mit geringer Geoeffektivität. Ob wir gerade diesen CME im Sonnenwind sehen, oder ob es eine reine Stream-Interaction-Region ist, lässt sich nicht genau sagen. Es gibt keinen klaren Hinweis auf einen CME.

      ☞ 2021, Nitta et al., Understanding the Origins of Problem Geomagnetic Storms Associated with “Stealth” Coronal Mass Ejections https://link.springer.com/article/10.1007/s11214-021-00857-0

  2. Hi Marko,
    besten Dank für Deine hervorragende Ausführung, auch mit Deinem Link Hinweis. Also ein evtl. „versteckter“ CME. :).
    Liebe Grüße
    Amirana 🙂

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