Eventuelle milde CME-Streifschüsse, ein interplanetarer Shock nach einem X-Klasse-Flare und ein relativ kleines koronales Loch bringen möglicherweise erhöhte geomagnetische Aktivität.
Inhalt
- 2025-02-27 – High-Speed-Stream dominiert
- 2025-02-27 – Kleine Eruption mit C-Klasse Flare und kleiner CME Richtung Erde?
- 2025-02-27 – Große Filament-Eruption – CME verpasst uns
- 2025-03-28 – X-Flare am Ostrand und gewaltige Filament-Eruption
- 2025-03-28 – Etwas Polarlicht möglich heute Nacht
- 2025-03-29 — Synoptische Karte der Sonne
- 2025-03-30 – 48 Stunden Rückblick: viele Flares
- 2025-03-30 – Ausblick: Anstieg der Aktivität
- 2028-03-30 – Elmsfeuer Schafbergspitze Webcam
- 2025-04-01 – M5.6-Flare aus Region 4046 und S2-Strahlungssturm
- 2025-04-01 – CME-Impact gegen 1800 UTC (?)
- 2025-04-02 (01/02) – Aurora im Norden
- 2025-04-02 (02/03) – Aurora bei Berlin
- 2025-04-03 – Ausblick: High-Speed-Stream, G1-Sturm
2025-02-27 – High-Speed-Stream dominiert
Das große koronale Loch CH25 sorgt noch immer für sehr schnellen Sonnenwind um 800 km/s, seine vorwiegend nördliche Polarität sowie das mittlerweile stark geschrumpfte interplanetare Magnetfeld um die 5 nT sorgen jedoch kaum noch für bedeutsame Auswirkungen auf das Erdmagnetfeld. Die Geschwindigkeit wird in den nächsten zwei Tagen wieder deutlich abnehmen auf nur noch leicht erhöhte Werte.

Nur die aktive Sonnenflecken-Region 4043 sorgt im Moment für Abwechslung. Die meisten der M- und C-Klasse-Flares der letzten 48 Stunden kamen von hier. Bedeutsame CMEs Richtung Erde wurden dabei nicht produziert.
Weiterhin sind sehr viele dichte Filamente auf der Sonnenscheibe verteilt mit hohem Potential für Eruptionen in den nächsten Tagen
2025-02-27 – Kleine Eruption mit C-Klasse Flare und kleiner CME Richtung Erde?
Viel zu sehen gibt es nicht. Ein unscheinbarer CME Richtung Nordosten von einer unscheinbaren Eruption, eventuell aus 4043 gegen 0300 UTC am 27.3. könnte uns am 31.3. streifen (NOAA/SWPC).
NASA M2M sieht ebenfalls die Möglichkeit eines Streifschusses am frühen 1.4. mit marginalen Auswirkungen.
2025-02-27 – Große Filament-Eruption – CME verpasst uns
Am 27.3. gegen 2300 UTC löste sich im Südosten der Sonnenscheibe ein großes Filament ab und produzierte einen relativ schmalen CME Richtung Südosten.
Das meiste Material scheint wieder zurück auf die Sonne gefallen zu sein, ein CME („Sonnensturm“) wurde dennoch erzeugt. Die Triangulation mit STEREO CAT (SOHO/LASCO C2 + STEREO A COR2 Koronografen) ergibt eine Geschwindigkeit von ca 700 km/s und eine Breite von nur 30°.
Der NASA M2M Enlil-Modell-Lauf ergibt, dass uns der CME am 31.1. deutlich südöstlich verpasst. Ebenso gehen MetOffice und NOAA von einem südöstlichen bzw. südlichen Vorbeizug aus.
2025-03-28 – X-Flare am Ostrand und gewaltige Filament-Eruption
Gegen 1500 UTC wurde ein X-Klasse-Flare (X1.1) am östlichen Rand der Sonnenscheibe registriert (Region 4046), damit verbunden eine imposante Eruption, die hauptsächlich nach Osten gerichtet zu sein scheint. Zusätzlich wurde ein RadioBurst vom Typ IV registriert und ein „Tenflare“, also ein Radioflare bei 2.8 GHz (10,7 cm) was zeigt, wie energiereich und elektromagnetisch „laut“ die Eruption war.
Auf der Tagseite kommt bzw. kam es zu großflächigen Funkausfällen oder Störungen auf Kurzwelle und auch Frequenzen über 50 MHz dürften kurzzeitig stark verrauscht gewesen sein.



Die Daten von SOHO/LASCO sind nun noch eingetroffen und sie sind eindrucksvoll:
Da das Ereignis eher rückseitig – zumindest nah am Rand der Scheibe – stattgefunden hat, ist es unwahrscheinlich, dass wir etwas vom weggeschleuderten Plasma, also vom „Bulk“ des CMEs abbekommen, aber auch nicht vollkommen auszuschließen. Zumindest die sich kugelförmig ausbreitende Shockfront könnte uns demnächst streifen.
NASA M2M berechnet eine Chance, dass wir am frühen 31.3. von der Flanke des mit 2000 km/s gestarteten CME gestreift werden, die sich mit einer CIR vermischt:


Die CME-Analyse ist sehr vage, da vom STEREO-Satelliten nur ein einziges Bild vorliegt und so eine saubere Triangulation nicht möglich ist. Die Unsicherheit der Vorhersage ist also äußerst hoch. Bei NOAA/SWPC ist der CME deutlich schneller, schmaler und zieht weiter im Osten:


Die größte Unsicherheit liegt sicher in der unklaren Startgeschwindigkeit, die irgendwo zwischen 1500 km/s und 3000 km/s liegt.
2025-03-28 – Etwas Polarlicht möglich heute Nacht
21:30 MEZ – Noch immer hohe Sonnenwind-Geschwindigkeiten von 600 km/s und ein zunehmend südlich orientiertes interplanetares Magnetfeld machen zusammen mit den Effekten um die Tag-Nacht-Gleiche geomagnetische Substürme möglich, hoher Radioflux und starke EUV-Einstrahlung sorgen für eine aufgeblähte Ionosphäre, sodass rotes Polarlicht eher bei uns sichtbar wird.
Ein erster Substurm ist bereits in Gange, mit etwas Glück könnte es wieder für ein bisschen Mittelbreiten-Aurora (Nordhorizont) reichen.
02:30 MEZ – Es gab nur ganz schwach zu erkennendes Polarlicht im hohen Norden
2025-03-29 — Synoptische Karte der Sonne

Wir sehen zahlreiche Filamente, einige in der Nähe aktiver Regionen, eine sehr lange mäandernde Neutrallinie, die das positive vom negativen Magnetfeld trennt und weitere kleine koronale Löcher, das nächste positiv und später ein negativ polarisiertes, gefolgt von zwei im Moment sehr aktiven Regionen nahe des östlichen Randes und weiterer dahinter, die uns bereits X- und M-Klasse-Flares beschert haben.
2025-03-30 – 48 Stunden Rückblick: viele Flares
Wie sehen am 28.3. den eruptiven X-Flare im Nordosten (nahe Region 4046), eine hyperaktive und magnetisch komplexe Region 4048, die gerade herein rotiert, eine mäßig aktive Region 4043 im nördlichen Zentrum, die ab und zu aufleuchtet.
Am 29.3. gegen 1900 UTC Aktivität am langgestreckten koronalen Loch CH 28+ – eine Welle rollt vorüber und vergrößert das koronale Loch kurzzeitig – möglicherweise wurde ein getarnter „Stealth-CME“ erzeugt. Etwa zeitgleich zentral nördlich ein Flare um Region 4043 mit aufleuchtenden „Loops“ wobei möglicherweise ein erdgerichteter CME produziert wurde, was aber sehr unsicher ist. Um 23:20 UTC feuert 4048 im Südosten einen CME ab.
Am 30.3. gegen 08:50 UTC sehen wir eine Filament-Eruption im Nordosten und schließlich ein Heller-Werden der Region 4044 im Nordwesten: magnetischer Fluss steigt auf.

Quelle: NOAA/SWPC Website
2025-03-30 – Ausblick: Anstieg der Aktivität
20:15 MESZ – In den nächsten 48 Stunden wird mit einem erneuten Anstieg der Sonnenwind-Geschwindkeit sowie einer Expansion des interplanetaren Magnetfelds gerechnet. Grund dafür sind die mögliche Kopplung mit dem koronalen Loch CH28+ (CIR, Stealth-CMEs, High-Speed-Stream) sowie die mögliche Ankunft der interplanetaren Shockfront der Eruption vom 28.3. Weiterhin besteht die Möglichkeit eines Streifschusses des CMEs vom 27.3. in den nächsten 48 Stunden. Etwas später könnten mutmaßlich produzierte CMEs am 29.3. vom Zentrum eintreffen, was aber sehr sehr unsicher ist.
Die Sonne bietet gerade viele interessante Aktivitäten, am spannendsten die Entwicklung der aktiven Region 4048 im Südosten, die im Moment für die meisten registrierten solaren Flares verantwortlich ist und auch schon Material in den Weltraum geschossen hat. Die Erde ist bald in ihrer „Schusslinie“.
Das negativ polarisierte koronale Loch CH27-, das gerade noch im Osten der Sonnenscheibe ist, wird wohl auch in ein paar Tagen geoeffektiv werden.
2028-03-30 – Elmsfeuer Schafbergspitze Webcam
Eindrucksvolle Koronaentladung an einer Metallstange fotografiert um 21:10 und 21:20 von der Panomax-Webcam auf dem Schafberg in Oberösterreich. Die Luft ist dort demnach elektrisch stark aufgeladen.


2025-04-01 – M5.6-Flare aus Region 4046 und S2-Strahlungssturm
Die Shockfront des CMEs/Flares vom 28.3 ist gestern Morgen eingetroffen gegen 1000 UTC. Die Geschwindigkeit stieg auf Werte über 500 km/s und das interplanetare Magnetfeld expandierte etwas, blieb jedoch größtenteils nördlich orientiert (Bz positiv) was zu keiner nachhaltigen Störung des Erdmagnetfeldes geführt hat.
Der M5.6-Flare von heute war impulsiv und erzeugte sehr wahrscheinlich keinen CME.
Währenddessen erreicht der > 10 MeV Protonflux S2-Strahlungssturm-Niveau – Kurzwellenverbindungen über die Pole werden gestört und wer kann, sollte Polflüge mit dem Flugzeug vermeiden um sich nicht einer erhöhten Strahlungsdosis auszusetzen. Die gute Nachricht: die gefährlicheren > 50 MeV Protonen sind unter der Warnschwelle.

Immer noch Nachwirkungen des X-Flares am 28.3. – ein sehr energiereiches Ereignis.
2025-04-01 – CME-Impact gegen 1800 UTC (?)

Es handelt sich hier vermutlich um den CME vom 27.3. (Streifschuss). Sollte sich eine längere Phase mit negativem Bz-Wert einstellen (interplanetares Magnetfeld südlich orientiert) könnte es später etwas Polarlicht geben. ☞ Echtzeitdaten
2025-04-02 (01/02) – Aurora im Norden
Dezent diffuses rotes Polarlicht 00:40 UTC / 02:40 MESZ Amrum Panomax Webcam amrum.panomax.com/nebel?t=2025-04-02+02-40-00&r=-8&z=100&tl=0

Strahlen magenta, blau, rot amrum.panomax.com/nebel?t=2025-04-02+02-50-00&r=0&z=149&tl=180

2025-04-02 (02/03) – Aurora bei Berlin
23:00 MESZ / 21:00 UTC Falkenberg/Lindenberg DWD Webcam rote/magenta Strahlen

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2025-04-03 – Ausblick: High-Speed-Stream, G1-Sturm
02:00 MESZ – Im Moment befinden wir uns noch im Einfluss eines streifenden CMEs. Eventuell vermengt mit einem der getarnten CMEs vom 29.3. Alles recht schwach, jedoch dank des Russell-McPherron-Effekts ausreichend, um schwaches Polarlicht am Nordhorizont zu bewirken.
00:30 MESZ – Am 4.4. wird uns wahrscheinlich die Corotating Interaction Region des negativ polarisierten koronalen Lochs CH27- passieren. Wir wechseln zudem den magnetischen Sektor von positiv zu negativ was generell zu höherer Polarlicht-Wahrscheinlichkeit führt. Beim letzten Umlauf erreichten wir Magnetfeld-Werte über 15 nT. Mit einem kleinen geomagnetischen Sturm (G1-G2) ist auch dieses Mal zu rechnen. Nachfolgend wird uns voraussichtlich am 5.4. schneller Sonnenwind erreichen mit Geschwindigkeiten zwischen 600 und 700 km/s und weiterhin für erhöhte Polarlicht-Wahrscheinlichkeit in Mitteleuropa sorgen (Nordhorizont).
Die aktiven Sonnenflecken-Regionen sind etwas zur Ruhe gekommen, wir kennen das Muster: In Schusslinie zur Erde machen sie Pause. Trotzdem hat die große und vormals komplexe Region 4048 immer noch hohes Potential für starke Flares und vielleicht auch CMEs. Wir dürfen weiter gespannt sein, wie es sich entwickelt.