Update 13.11. 22:20 MEZ
11.11. 21:15 MEZ – Eine sehr starke Sonneneruption ereignete sich am 11.11. gegen 1000 UTC. Ein schneller und großer koronaler Massenauswurf (CME, Sonnensturm) wurde dabei produziert. Er könnte die Erde bereits am 12.11. nachmittags erreichen. Mit hellem Polarlicht bis in die Mittelbreiten, aber auch Funkausfällen, GPS-Störungen, Störungen kritischer Infrastruktur kann gerechnet werden – jedoch im handhabbaren Rahmen.
Das Ereignis
eCallist Radiogramm + GOES X-ray
In der EUV-Bildgebung ist der Flare und deutlich eine koronale Welle zu sehen. Im unteren Bilddrittel der Radio-Burst (Funkemissionen)
Eine gewaltige Dimming-Zone ist zu sehen. Sehr viel Plasma wurde bewegt und in den interplanetaren Raum verfrachtet.

Der Flare (Röntgenblitz) war so stark, dass er einen „Magnetic Crochet“ erzeugt hat. Ein Ausschlag bei Boden-Magnetometern in der X-Komponente. Ein Hinweis auf eine starke Störung der Ionosphäre.

Es wurde wieder ein starker breitbandiger Radioburst erzeugt – Funk-Aussendungen der Sonne in vielen Wellenlängen

Es wurden viele energetische Protonen freigesetzt. S2 Strahlungssturm wurde erreicht. Die Warnung gilt noch. Pol-Flüge sollten vermieden werden (besonders bei Schwangerschaft), Kurzwellenverbindungen über die Pole sind nicht möglich. Es wurden sogar die sehr energiereichen >= 500 MeV-Protonen freigesetzt. Es handelt sich in dieser Hinsicht um ein extremes Ereignis.
☞ GLE Event (Ground Level Enhancement) en.wikipedia.org/wiki/Ground_level_enhancement – Eine Erhöhung der Anzahl der am Boden gemessenen Neutronen, die durch Cosmic Ray Air Showers entstehen. In diesem Fall sind die kosmischen Strahlen hochenergetische Protonen und andere Atomkerne aus der Sonnen-Korona, die bei Kollision mit Atomkernen in der Atmosphäre unter anderem Neutronen erzeugen können. ☞ Neutron Production in Simulations of Extensive Air Showers
Im SOHO LASCO Koronografen ist der schnelle und große Halo-CME zu sehen, zusammen mit „Schnee“ – die energetischen Partikel treffen auf den Sensor und stören ihn.


Auch die Seitenansicht im STEREO-Satelliten ist beeindruckend – sie zeigt jedoch auch die Auslenkung nach Nordwesten – wir werden also eher den Randbereich zu spüren bekommen (die Erde befindet sich links auf einer gedachten verlängerten Ost-West-Linie im Bild, der Ekliptik – im Moment leicht nach Norden geneigt)
Modellläufe, Warnungen
Dies ist der dritte große CME in einer Reihe. Zwei weitere große vor ihm versetzen das Erdmagnetfeld bereits in Sturm-Modus. Effekte können sich summieren! G3 STRONG STORM (Kp 7) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erreicht, G4 SEVERE STORM (Kp 8) mit nicht ganz so hoher Wahrscheinlichkeit, G5 EXTREME STORM kann nicht ausgeschlossen werden, ist aber relativ unwahrscheinlich, da keiner der CMEs genau Richtung Erde unterwegs ist, sondern alle eher nach Nordwesten.
Vorherige CMEs sind im letzten Artikel besprochen: Dreifach-Wumms am 11./12./13. November erwartet und Weiter mittlere bis hohe Sonnenaktivität
SWPC
Das US-amerikanische Space Weather Prediction Center in Boulder, Colorado vergibt die höchste Warnstufe G4 Watch für den 12.11. (UTC-Tag)

☞ www.swpc.noaa.gov/news/g4-severe-watch-effect-12-november

Das Enlil-Modell zeigt drei CMEs Richtung Erde, der erste hätte eigentlich schon eingetroffen sein sollen. Wo bleibt er denn? Eventuell hat er uns knapp verfehlt.
☞ www.swpc.noaa.gov/products/wsa-enlil-solar-wind-prediction
Met Office / HUXt
Auch das britische Met Office gibt einen G4-Watch aus:
G3 Watch 11.11. 1800 UTC – 12.11. 11.59 UTC
G4 Watch 12.11. 1200 UTC – 13.11. 23:59 UTC
☞ weather.metoffice.gov.uk/specialist-forecasts/space-weather
Wahrscheinlichkeiten für bestimmte geomagnetische Sturm-Stärken:

Prognose vom 11.11. 13:45 UTC

Der Ensemble-Lauf zeigt eine Streuung bei erwarteten Ankünften. Fast alle Läufe simulieren eine Eintreff-Geschwindigkeit von über 1000 km/s des dritten CMEs!
☞ premium.spaceweather.metoffice.gov.uk/index.html

Etwas gedämpfter die Impacts im HUXt-Ensemble, drei CMEs mit Eintreff-Wahrscheinlichkeit von 99,2%, 99,4% und 96,6%
☞ research.reading.ac.uk/met-spate/huxt-forecast/
SWW
Geomagnetischer Sturm – Updates
Solar Orbiter + EPAM
11.11. 22:00 MEZ – Starker Impact am Solar Orbiter. Das Magnetfeld springt von 10 nT auf 30 nT

☞ solar-orbiter.ic.ac.uk/quicklook/latest-l2-ll-dashboard-rtn.png
Der erste CME – oder vielleicht bereits der zweite? – kommt näher und sollte demnächst eintreffen, die niederenergetischen Protonen im ACE-EPAM-Instrument steigen steil an. Ein Hinweis auf eine nahende Schockwelle:

☞ www.polarlicht-vorhersage.de/#dscovr
Impact von ‚etwas‘ 11.11. 22:30 UTC, 23:30 MEZ
12.11. 00:20 MEZ – Am Lagrange-Punkt L1 ist ein Anstieg einiger Parameter im Sonnenwind zu sehen.

Vermutlich haben uns Teile des ersten CMEs erreicht. Bisher kein besonders starker Impact mit Bt bei 12 nT und leicht gestiegener Geschwindigkeit, aber das wird sicher noch mehr. Der Zeitpunkt entspricht mehr oder weniger der Vorhersage des Enlil-Outputs von Met Office („MOSWOC“) – die Vorhersage für Bt (Stärke des interplanetaren Magnetfeldes) sollte nicht so ernst genommen, die liegt meist deutlich unter den gemessenen Werten.
☞ raumwetter.de/echtzeitsonnenwind
Sehr starker Impact am L1 mit Bz -55 nT
L1 ist der Lagrange-Punkt 1 in etwa 1,5 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde Richtung Sonne. Dort befinden sich die meisten Weltraum-Wetter-Satelliten zur Erfassung des Sonnenwinds.

Überraschend starker Impact – Bz -55 nT ist extrem! Das Magnetfeld fluktuiert sehr stark, da wir noch nicht den Kern des CMEs erreicht haben. Aber der jetzige Impuls reicht schon für kräftige leuchtstarke Aurora!
Aurora überall!
☞ Polarlichtsichtungen im AKM-Forum: Polarlicht 2025-11-11/12
12.11. 04:00 MEZ – Zum Beispiel in Berlin um 02:12 UTC (03:12 MEZ) – Schnappschuss mit 3 Sekunden Belichtung von einem iPhone 11 pro – Blickrichtung Nord

In den Alpen (Schweiz, 46°N) um 03:00 MEZ

Und um 03:30 MEZ brennt der ganze Himmel lichterloh! Die seltene Great Red Aurora gibt es nur bei sehr starken geomagnetischen Stürmen – das rote Leuchten wird hier nicht mehr allein durch Partikel-Niederschlag erzeugt sondern wahrscheinlich vor allem durch eine starke Aufheizung der Ionosphäre.

☞ www.foto-webcam.eu/webcam/wildhaus/
04:30 MEZ – Das Aurora-Oval ist sehr weit nach Süden gewandert und liegt mit seiner Südgrenze nun etwa an der südlichen Ostseeküste

Hier können wir die momentane Polarlicht-Aktivität sehen
☞ DLR – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt / IMPC Neustrelitz ROTI Europe Mean impc.dlr.de/products/ionospheric-perturbations/rate-of-change-of-tec-index/one-minute-mean-roti-europe
Unter den roten Quadraten muss mit Störungen von GPS/ GNSS gerechnet werden.
05:15 MEZ – (Great) Red Aurora hinter Cirrus-Wolken über Berlin 04:51 MEZ – 0351 UTC

Blickrichtung Westen, 4 Sekunden Belichtung, iPhone 11 pro
Noch ein Hinweis: Dieser geomagnetische Sturm (G4 / Kp 8 wurde erreicht) ist sehr wahrscheinlich die Folge der Impacts der beiden ersten CMEs. Der dritte große CME sorgt hoffentlich heute Abend (12.11./13.11.) für mehr Polarlicht in Mitteleuropa. Vielleicht sehen wir auch am 13.11./14.11. noch etwas, dann aber wohl nicht mehr so hell und so verbreitet.
Polarlicht 12.11./13.11.
12.11. 18:20 MEZ – Der CME vom X5.1-Flare ist wahrscheinlich noch nicht eingetroffen. Wir befinden uns im Einfluss der vorhergehenden CMEs. Bz – die Nord-Süd-Komponente des interplanetaren Magnetfeldes – ist im Moment positiv, damit wird die Aurora-Tätigkeit etwas unterdrückt. Jedoch ist die Magnetosphäre im Sturmmodus, DST bei etwa -200nT – der Ringstrom ist aktiv und damit der SAR-Bogen. Er ist deutlich auf der Rax-Webcam in den Alpen bei Wien zu sehen und sicher auch andernorts – allerdings wahrscheinlich nur fotographisch.

☞ raxalpe.panomax.com/ottohaus?t=2025-11-12+18-10-00&r=353&z=100&tl=0
Impact 2025-11-12 18:53 UTC
12.11. 20:30 MEZ — Sudden IMF Enhancement / Interplanetarer Shock am L1 eingetroffen um 19:53 MEZ. Magnetfeld steigt von 17 auf 40 nT, Nord-Süd-Komponente von +8 auf +21 nT. Daten für Geschwindigkeit und Dichte sind fehlerhaft, beide Satelliten am L1 haben Schwierigkeiten mit der Plasma-Messung im Moment.

Dies ist die mutmaßliche Schockwelle des erwarteten CMEs. Bz ist ungünstig im Moment für Polarlicht – der Dynamic Pressure Pulse kann jedoch einen Substurm triggern, demnächst könnte also verbreitet Polarlicht sichtbar werden.
Die weitere Entwicklung von Bz bleibt abzuwarten, Polarlichtfans hoffen auf viel negative Bz-Werte für die große Show. Noch ist offen, wie sich alles entwickelt.
Update 22:00 MEZ
Die Aurora ließ sich zart Blicken auf der Amrum-Webcam, ist aber insgesamt schwer zu finden hinter dicken Wolken und bei weiterhin positiven Bz-Werten des interplanetaren Magnetfeldes. Wir warten auf Besserung.

Wolken, Wolken, Wolken, dicke Wolken, dünne Wolken, hohe dünne Wolken über niedrigen dicken Wolken, dazu Nebel und nur ganz wenige wolkenfreie Stellen: Am ehesten noch an der Nordseeküste und südlich der Alpen.

Nachtrag: Da hat sich ein Fehler eingeschlichen: Statt Cumulonimbus muss es Nimbostratus heißen, das ist die deutlich wahrscheinlichere Wolkenform im November. Trübes hochreichendes Grau statt Gewitterwolken.
Update 01:00 MEZ – Kurs auf Süd
13.11. 00:55 MEZ – Nun endlich switchte das IMF nach Bz– – die große Aurora-Show kann beginnen. Mal sehen, wie lange es anhält und wann wir den Effekt bemerken – wahrscheinlich schon sehr bald!

13:11. 01:00 MEZ – Substorm Growth in Kap Arkona mit grünem Bogen

https://kap-arkona.panomax.com/peilturm?t=2025-11-13+00-50-00&r=355&z=178&tl=148
Ein Bild aus dem KNMI Space Weather Timeline Viewer: Erd-Erkundungs-Satellit NOAA-20 mit dem VIIRS DNB Instrument zeigt die Aurora direkt über Mitteleuropa um 03:36 UTC / 04:36 MEZ am frühen 12.11.

Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: https://spaceweather.knmi.nl/viewer/?layout=may2024_aurora_maps#start=2025-11-12T01:00:00Z&stop=2025-11-12T03:00:00Z
Aurora-Meldungen für die Nacht vom 12.11./13.11 im AKM-Forum:
Polarlichtsichtungen 2025-11-12/13
Auswertung
13.11.2025 22:20 MEZ
AE-Index
Der AE-Index (Auroral Electrojet Index) vom WDC Kyoto ging durch die Decke am frühen 12.11. (UTC-Tag) und erreichte etwa 4000 nT nach vorläufigen Daten.


Extremwerte Sonnenwind und Erdmagnetfeld
Der geomagnetische Sturm am frühen 12.11.2025 gehört zu den außergewöhnlichen Ereignissen. Ein schneller CME raste in einen langsameren und verdichtete ihn (Pfannkuchifizierung ☞ Dreifach-Wumms am 11./12./13. November erwartet). Dadurch erreichte das Magnetfeld sehr hohe Werte mit 63 nT für Gesamt-B und -55 nT für die Nord-Süd-Komponente Bz. So kam es schnell zu starker Aurora-Aktivität mit einem weit nach Süden gewandertem Oval und „Great Read Aurora“, die den Himmel vielerorts blutrot färbte.

Erdmagnetfeld: DST Index, Hp30 Index, Boden-Magnetometer Nordeuropa
Die Sonnenwind-Geschwindigkeit erreichte am 2. Tag 999 km/s. Diejenigen, die gesagt haben, das wird niemals etwas mit 1000 km/s (wie die Prognosen berechnet haben) hatten also recht.
Mit Eintreffen der ersten Shockfront stieg der Proton-Flux energetischer Partikel nochmals an und erreichte S3-Level.
Der geomagnetische Index Hp30 erreichte 9.333, das wäre als Kp-Index die höchste Stufe G5. Der Kp-Index vom GFZ Potsdam mit Drei-Stunden-Intervall erreichte G4 (8.666) am ersten Tag und G3 (7.333) am zweiten. Der Disturbance Storm Time Index DST erreicht -238 nT – damit gehört dieser Sturm zu den stärksten des Sonnenzyklus 25.
Der Doppel-Impact am ersten Tag hat die Erwartungen/Prognosen weit übertroffen, CME Nr.3 war nicht so stark wie erwartet und hatte zusätzlich ein überwiegend nördliches Magnetfeld, was seine Geoeffektivität verringerte (mit südlichem Magnetfeld wäre es wohl ein erinnerungswürdiges Ereignis geworden).
Sonnenflecken-Region AR 4274 (bzw. 4272), ehemals AR 4246
Region 4246 entstand beim letzten Umlauf der Sonne ☞ Hohe Sonnenaktivität – Heißer Herbst; ☞ Tumult auf der Sonne – Ein paar Fetzen Richtung Erde; ☞ Zunehmende Sonnenaktivität – zunächst ruhig; feuerte fleißig CMEs ab auf der Rückseite und erhielt dann die Nummer 4272 als sie wieder am Ostrand auftauchte. Anfangs hyperaktiv mit Flares und CMEs am laufenden Band legte sie dann schon bald eine Pause ein und erst nachdem sie den Zentralmeridian passiert hatte legte sie nochmals los ☞ Weiter mittlere bis hohe Sonnenaktivität; ☞ Dreifach-Wumms am 11./12./13. November erwartet. Seit dem X5.1-Flare ist sie relativ ruhig, offenbar hat sehr viel magnetische Rekonfiguration stattgefunden und magnetische Scherung hat sich verringert.
Region 4274 im Porträt: 4.11.2025 – 13.11. 2025
Das Auf- und Ab der Sonnenaktivität ist gut im SDO-Komposit 94/211/171 Angström zu sehen, hier in der Animation vom 2.11. bis 12.11.2025:
Flares, Eruption, magnetische Loops, koronale Löcher
2.11.2025 – 12.11.2025
Einen X4.0-Flare produzierte Region 4274 noch kurz vor dem Verschwinden hinter dem Westrand. Darum geht es im nächsten Beitrag: Schneller Sonnenwind und möglicher Streifschuss
⚜️