Update 10.10. 08:30 MESZ

Weiterhin M-Klasse-Flares, koronale Massenauswürfe, abnehmender schneller Sonnenwind und mäßige geomagnetische Aktivität

Synoptik

4.10. 10:00 MESZ

Wir befinden uns noch im Einfluss des High-Speed-Streams (schneller Sonnenwind) aus den koronalen Löchern CH83/CH84 – die mittlerweile verschmolzen sind (nur noch als CH83+ gelistet). Die Geschwindigkeiten des erdnahen Sonnenwinds reichten bis 800 km/s und durch günstige Polarität (By positiv/Bz negativ) gab es zumindest anfangs auch in Mitteleuropa Polarlicht zu sehen. Der Einfluss/die Geschwindigkeit wird langsam abnehmen. Das nächste große koronale Loch befindet sich am Ostrand⇐.

Der große Cluster aktiver Sonnenflecken-Regionen im Norden hat den Zentralmeridian passiert. Dabei zeigen sich 4232 und 4236 noch immer als Flare- und CME-Produzentinnen. Hier könnte es noch ein Weilchen weiter gehen mit Aktivitäten und auch wenn der Cluster weiter nach Westen rotiert ist werden wir weiterhin in dessen Schusslinie liegen.

Ein relativ langsamer und schwacher CME aus dem Umfeld von 4232/4236 könnte am 6.10. die Erde erreichen. Ein weiterer langsamer CME nach Osten/Südosten mit unklarer Herkunft könnte darauf folgen.

Im Osten sind neue Regionen aufgetaucht. Ob sie sich zu Flare/CME-Produzentinnen entwickeln werden bleibt abzuwarten. Im Moment sieht Region 4242 recht vielversprechend aus.

3.10. 0500z – M1.5-Doppelflare – schwacher CME-Streifschuss möglich ab 6.10.

M1.5-Flare mit zwei Aktivitätsspitzen: Eine Doppeleruption produzierte zwei CMEs (koronale Massenauswürfe, „Sonnenstürme“), einen nach Nordosten (der mehr oder weniger verpufft ist) und einen in etwa Richtung Erde. Er ist schwach im Osten der Sonne im SOHO LASCO C2 Koronografen zu sehen.

NASA M2M Enlil CME-Simulation

Zu sehen ist nicht viel in der Simulation (ebensowenig in den Koronografen). Bei Met Office UK sieht es ähnlich aus. Maximale Kp-Werte zwischen 3 und 5 werden erwartet (mäßige Wahrscheinlichkeit für G1 Sturm).

CME analysis: kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/CME/41585/1
Enlil model runs: kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/WSA-ENLIL/41587/1

Sehr langsamer CME (3.10./4.10. nach Osten/Südosten)

Sehr sehr langsame Eruption nach Osten/Südosten in den Koronografen, vermutlich mit erdgerichteten Anteilen. Der genaue Ursprung lässt sich nicht ermitteln, sicher ist nur, dass die Eruption sehr langsam ist: Eine Geschwindigkeit von etwa 200 km/s… Falls der CME nicht weiter beschleunigt wird, zieht er wahrscheinlich Richtung Erde, aber es wird nicht viel von ihm übrig sein, wenn er irgendwann ankommt.

SOHO LASCO C2/GOES CCOR-1
Eine große langsame Wolke bewegt sich weg von der Sonne
Zu sehen sind mehrere „Lappen“, die eine Front bilden

Dieser CME trägt einige Merkmale eines „Streamer-Blowouts“, es ist nicht ganz eindeutig. Eventuell führt die Eruption zu einer mit Dichte und Magnetfeld angereicherten heliosphärischen Stromschicht (HCS), was bei deren Passage (Sector Boundary Crossing) in 4-10 Tagen zu erhöhter geomagnetischer Aktivität führen könnte. SWPC/NOAA spricht von einer Filament-Eruption, ich sehe nicht eindeutig ein Filament, das hier involviert ist.

☞ Analyse/Beschreibung bei NASA M2M kauai.ccmc.gsfc.nasa.gov/DONKI/view/CME/41598/1

Nachtrag 4.10. 16:00 MESZ – In STEREO HI1 ist eine helle Front zu sehen, die sich eventuell etwas schneller bewegt als anfangs in den Koronografen. In SOHO LASCO C2 Running Difference ist gegen 03:00z ein Halo zu sehen, der noch mehr auf eine Zugbahn Richtung Erde hinweist.

Nachtrag 4.10. 18:00 MESZ

Es gibt nun Modellläufe für diesen und den obigen CME. Das Eintreffen des obigen wird mehrheitlich am 6.10. oder 7.10. erwartet. Dieser langsame CME (wahrscheinlich kombinierte Eruptionen) am 7.10. (MOSWOC), 8.10. (SWPC, HUXt) oder noch später (HUXt, ELEVo). Die Unsicherheit über Zeitpunkt und Stärke des Impacts ist außergewöhnlich hoch – vor allem bedingt durch die langsame Startgeschwindigkeit und Schwierigkeiten bei der Bild-Analyse.

Ich würde für beide nicht zu viel erwarten, tendenziell scheint der langsame Multi-CME mehr Potential zu haben als der M1.5-Flare assoziierte CME.

Noch eine Animation: SOHO LASCO C2/C3 Running Difference zeigt mehre Fronten, die letzte recht symmetrisch um die Sonne.

Entwicklung auf der Rückseite

Helioseismologie-Grafiken von hier: www.solarham.com/farside.htm – Orange: erdabgewandte Seite, Grau: erdzugewandte Seite

Am 1.10. sind zwei neue Regionen zu sehen, die von uns aus gesehen bald im Osten (links) der Sonne auftauchen könnten. Im Norden bei 240° Carrington Longitude ist eine weitere neue dunkle Region zu sehen.
Am 2.10. sehen wir Wachstum der nördlichen Regionen. Da sie neu sind, könnte deren potentielle Flare/CME-Tätigkeit anhalten, bis sie in unser Sichtfeld rotiert sind.

Vollmond am 7.10.

Ungünstig für Polarlicht-Beobachtungen ist die Helligkeit des Mondes. Vollmond ist am 7.10. und der Mond scheint bereits fast die ganze Nacht hindurch. Am frühen Morgen bestehen in den folgenden Tagen am ehesten Chancen auf einen dunklen Himmel, ab 9.10. am frühen Abend.

Mondaufgang für Berlin:

Bis 9.10. vor Sonnenuntergang; 9.10. 18:54 MESZ, 10.10. 19:25 MESZ, 11.10. 20:12 MESZ, 12.10. 21:18 MESZ

Monduntergang für Berlin:

4.10. 03:10 MESZ, 5.10. 04:37 MESZ, 6.10. 06:05 MESZ, ab 7.10. nach Sonnenaufgang

DSCOVR ist zurück

Die Versuche, den defekten DSCOVR Satelliten in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung wieder zum Leben zu erwecken waren erfolgreich. Für das Magnetometer sind bereits wieder Echtzeitdaten sporadisch verfügbar, die restlichen Instrumente werden wahrscheinlich folgen.

www.swpc.noaa.gov/products/real-time-solar-wind

Dann haben wir Anfang 2026 wahrscheinlich vier Satelliten mit Echtzeit-Sonnenwind-Daten am L1 (Lagrange-Punkt-1): DSCOVR, ACE und neu SWFO-L1 und IMAP (und mit SOHO fünf, falls er bis dahin durchhält – jedoch ohne Magnetometer).

Update: Vier CMEs unterwegs

5.10. 18:00 MESZ – Los geht es wohl in der Nacht vom 6.10. zum 7.10., am wahrscheinlichsten am frühen Morgen des 7.10., möglicherweise aber auch schon am späten 6.10. Durch die Überlagerung von Impacts kann es im zeitlichen Verlauf zur gegenseitigen Verstärkung kommen mit Peak am 8.10. Allein aufgrund der Anzahl (Vier CMEs aneinander gereiht) würde ich G3 STRONG STORM (Kp 7) jetzt nicht mehr ausschließen – aber nur falls wirklich dicht aneinander folgend CMEs eintreffen. Sollte uns zum Beispiel der 2. CME verfehlen würde es wohl kaum zu einer Überlagerung kommen und der erste CME allein ist zu schmalbrüstig für einen bedeutsamen Effekt.

Der erste CME vom M1.5-Flare könnte am 7.10. gegen 01:00 UTC eintreffen, der zweite am 7.10. gegen 13:00 UTC und danach die anderen beiden. Die Zeiten ergeben sich aus der beobachteten Geschwindigkeit im STEREO HI1. Ob tatsächlich alle ankommen, bleibt abzuwarten. Für die Schätzung würde ich pauschal +-12 Stunden Fehlerspanne ansetzen. Die CMEs werden mit Hintergrund-Geschwindigkeit ankommen (zwischen 380 und 450 km/s mit dem ersten als schnellsten). Die beiden langsamen CMEs (2, 3) wurden auf 400 km/s beschleunigt. Beim dritten bin ich mir ziemlich sicher, dass er erdgerichtet ist. CME 1 und CME 4 ziehen eher nach Osten, CME 2 nach Südosten – das werden eventuell nur Streifschüsse, der zweite könnte uns so gar ganz verfehlen.

Noch ein CME: Kleiner eruptiver C-Klasse-Flare und CME gegen 1800z am 4.10.
Ob das tatsächlich der vierte CME im HI1 Field-Of-View ist – wer weiß?

Der vierte CME stammt wahrscheinlich von einer Eruption aus Region 4241 im Nordosten (C-Klasse Flare) am 4.10. gegen 1800z. Der Ursprung von CME 2 und 3 ist nach wie vor unklar (zu viel gleichzeitige Aktivität auf der Sonne mit zahlreichen möglichen Ursprungsorten – möglich wären bspw. der Cluster im Zentrum (jetzt im Nordwesten) und ein nun geschlossenes sehr kleines koronales Loch, das angrenzt sowie die Gegend um Region 4242 im Südosten.

Update 18:30 MESZSolar Orbiter: Ein schwacher Impact am Solar Orbiter spricht für Richtigkeit des NASA M2M-Laufs, der einen Impact bei uns am 6.10. Mittags vorhersagt. Das wäre deutlich früher als die Ableitung aus HI1 ergibt, allerdings war der CME dort zum Schluss nur noch schemenhaft zu erkennen mit hohem Fehlerpotential bei der Berechnung. Die Stärke des Magnetfeldes hat sich am Solar Orbiter verdoppelt (18 nT -> 36 nT). Das würde 4nT -> 8nT oder 6nT -> 12nT – also etwa 10 nT – bei uns bedeuten. Wirklich nicht sehr viel, aber ausreichend für einen kleinen geomagnetischen Sturm (G1) falls Bz – die Nord-Süd-Komponente im Magnetfeld – mitspielt.

Update 6.10. 16:30 – Solar Orbiter: Nach dem was am Solar Orbiter zu sehen ist, würde ich meine Erwartungen auf bedeutsame geomagnetische Aktivität stark zügeln. Bisher sind drei Impacts zu sehen, alle mit schwachem Magnetfeld.

Ob das tatsächlich auch dem entspricht, was bei uns ankommt lässt sich nicht abschätzen. Gegen 12:00 UTC sieht es nach einem Impact am ACE-Satelliten in Erdnähe aus, der äußerst schwach ausfällt. Ob das der erwartete erste CME ist, ist unklar – die Möglichkeit besteht aber. Warten wir ab, vielleicht gibt es noch Überraschungen. Im Moment denke ich eher nicht.

Vier CMEs sind eingetrudelt

10.10. 08:30 MESZ — Der Sonnenwind vom 6.10. – 10.10.

Wir sehen viele Diskontinuitäten und eine durchweg niedrige bis sehr niedrige Geschwindigkeit des Sonnenwinds. Bei relativ schwachen Magnetfeldern und sehr niedrigem dynamischen Druck kam es kaum zu nennenswerten Auswirkungen auf das Erdmagnetfeld. Eventuelle schwache Aurora wurde vom Vollmond stark ausgeblichen.

Wann in der obigen Grafik einzelne interplanetare koronale Massenauswürfe beginnen oder enden vermag ich nicht zu beurteilen und ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt möglich ist. Ein ziemliches Durcheianander… Außerdem hatte der einzige einsatzbereite operative Satellit am L1 (Lagrange-Punkt 1) ACE recht große Probleme, überhaupt brauchbare Daten zur Erde zu schicken – zu sehen an den vielen Spikes, Glitches und Lücken. Damit ist momentan eine halbwegs seriöse Auswertung nicht möglich.


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Ruhige Sonne, schneller Sonnenwind, bald aktiver
10.10.2025

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